Was ist Kapitalismus? – Am Beispiel von Monopoly

In vielen schönen Diskussionen, die ich mit Freunden führe, erlebe ich immer wieder, der größte Teil von Ihnen versteht immer noch nicht, in was für einer Gesellschaftsform wir eigentlich derzeit leben. Dies ist auch schwierig zu differenzieren, schließlich sind die Informationen darüber, widersprüchlich. Dies beginnt bereits damit, wenn man die Frage stellt, haben wir eine Marktwirtschaft oder leben wir im Kapitalismus? Man kann diese Frage auch noch verkomplizieren, indem man Begriffe wie soziale Marktwirtschaft und Neoliberalismus, also eine freie Marktwirtschaft mit einwirft. Wenn man anschließend noch fragt, ob die vor 20 Jahren geführte Planwirtschaft eine berechtigte Form des Kommunismus ist, oder nur als Ableger des Kapitalismus diente, trägt man vollends zur Verwirrung der Anwesenden bei. Ich möchte aus diesem Grund ein paar dieser Begrifflichkeiten näher erläutern, damit man vielleicht etwas Licht im Dickicht dieser Informationen erhält.


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Die Gesellschaftsform, in der wir uns derzeit befinden, ist der Kapitalismus. Gekennzeichnet ist diese Gesellschaftsform durch die Machtausübung des Kapitals. Wer im Besitz des Kapitals ist, entscheidet wo es lang geht. Ziel ist bei allen Handlungen, die Mehrung des Kapitals. Dies bedeutet, jede Handlung geht einher, mit der Vermehrung des Vermögens, Besitztümer eingeschlossen. Das Paradebeispiel für diese Gesellschaftsform ist das Spiel Monopoly. Besitzen am Anfang alle das gleiche Startkapital, wird es am Ende immer nur einen Gewinner geben. Die Umverteilung des Vermögens und des Besitzes erfolgt stetig von Unten nach Oben. Derjenige der viel besitzt, dessen Vermögen wird sich auch nachhaltig vermehren können. Ab einem bestimmten Punkt, geht dies einher, ohne jegliches Risiko eingehen zu müssen.

Wie wird aber Wachstum erzeugt, damit sich das Kapital überhaupt vermehren kann? Beim Monopoly geschieht dies, indem man immer wieder zusätzliches Geld in den Wirtschafskreislauf pumpt. Sobald man über das Feld „Los“ geht, erhält der Wirtschaftskreislauf neues Futter, welches anschließend umgeschichtet werden kann. Solange noch nicht alle Wachstumsgrenzen ausgelotet sind, kann ein jeder auch Wachstum erzeugen. Erkennen kann man dies durch den Kauf von neuen Straßen und den anschließenden Bauboom auf den Straßen mit Häusern und Hotels. Sind die Grenzen des Wachstums erreicht und noch mehrere Mitspieler übrig, gesellt sich anschließend in einem gewissen Maße, die Glückskomponenten dazu. Vergleichen kann man dies derzeit mit den wilden Spekulationen, die weltweit statt finden. Nur dass wir hier von keinem Spiel sprechen, welches unterhalten soll.

Die eigentliche Frage, die man sich aber stellen sollte, ist, handelt es sich bei Monopoly um eine Version der freien Marktwirtschaft? Mit Nichten, denn Angebot und Nachfrage finden hier nur bedingt statt. Wenn man zum Beispiel die Regel zulässt, erst ab dem Besitz eines Straßenzuges dürfen Häuser gebaut werden, könnte sich normalerweise ein Markt bilden. Voraussetzung dafür ist jedoch, man ist selber nicht im Besitz eines Straßenzuges und hält von jedem weiteren Straßenzug eine Karte. Durch den Besitz eines Straßenzuges würde man ansonsten einen Marktvorteil genießen, den man sicherlich nicht aufgeben möchte. Man besäße quasi ein Monopol auf den Bau von Häusern, allerdings nur auf dem eigenen Straßenzug. Dass Prinzip der Marktwirtschaft wäre dadurch nicht mehr existent. Ist man jedoch nicht im Besitz eines Straßenzuges, würde man sich auf einen Handel mit Mitspielern einlassen. Man schafft einen Markt, jedoch nur solange, bis der eigene Nutzen befriedigt ist. Auf einen weiteren Handel muss man nicht mehr eingehen. Man kann den Markt blockieren.

Wie würde Monopoly aber aussehen, wenn man dem Spiel eine marktwirtschaftliche Komponente beifügen würde? Dazu nur ein Beispiel, denn um ein ausgewogenes Spiel zu erreichen, müsste man gleich mehrere Dinge ändern. Bleiben wir jedoch dabei den Beginn eines Spieles zu betrachten. Die erste Veränderung wäre, keine der Straßen dürfte einen Preis besitzen. Kommt stattdessen jemand auf eine Straße und diese befindet sich noch nicht im Privatbesitz, müsste es eine Auktion geben. Der Meistbietende erhält am Ende die Straße. Angebot, Nachfrage und das im Umlauf befindliche Geld, würden den Preis festlegen. Der Kaufpreis einer Straße wäre am Anfang des Spieles geringer, wie im fortlaufenden Spiel, wenn nur noch wenige Straßen verfügbar sind, sich aber das Geldvermögen aller Mitspieler erhöhte. An diesem Beispiel erkennt man eins sehr gut. Der Preis für eine Ware oder Dienstleistung wird auch durch das sich im Umlauf befindliche Geld bestimmt.

Beim Monopoly dagegen wird jede Handlung nur durchgeführt, wenn sie zur Mehrung des eigenen Kapitals beiträgt. Tausche ich eine Straße gegen eine andere, führe ich diese Aktion nur durch, wenn ich dadurch die Chance bekomme, einen Straßenzug zu erhalten, auf dem ich Häuser und Hotels bauen kann, mit denen ich wiederum mein Kapital vermehren könnte. Würde ein solcher Tausch nicht zu diesem Ziel führen, würde man den Tausch nicht vollziehen, manchmal auch zum Unmut der Mitspieler, weswegen es viele Monopolypartien gibt, bei denen am Ende nur einer lacht und der Rest sauer ist. Gehört man zudem zu denjenigen, die bei Monopoly immer wieder zu den Verlierern gehören, verliert man mit der Zeit auch das Interesse an diesem Spiel. Der Großteil aktiver oder ehemalig aktiver Monopolyspieler, können sicherlich ein Lied davon singen.

Zum Glück ist aber Monopoly nur ein Spiel. Doch nehmen wir mal an, wir würden dieses Spiel in die Realität transportieren. Wie viele Menschen würden sich an einem solchen Spiel beteiligen, wenn sie wüssten, das Risiko aus dem Spiel auszuscheiden und dadurch für lange Zeit Freiheiten einzubüßen wäre um ein vielfaches höher, als die Option auf einen Sieg? Ich gehe mal davon aus, die Wenigsten. Leider können wir in der Realität nicht darüber bestimmen, ob wir uns an diesem Spiel beteiligen wollen oder nicht. Wir sind Bestandteil des Spieles und wie beim Monopoly gewinnen Wenige und Viele verlieren. Dass dies zu Spannungen führt, sieht man wie bereits erwähnt auch beim Monopoly. Die Gefahren die durch diese Spannungen entstehen, sind allerdings um ein vielfaches höher, als die verärgerten Gesichter der Verlierer bei einer Monopolypartie.

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Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

2 Gedanken zu „Was ist Kapitalismus? – Am Beispiel von Monopoly“

  1. Hallo Ronny, eigentlich hat sich der Begriff soziale Marktwirschaft hierzulande durchgesetzt. Die soziale Komponente wird doch allzu gerne vor dem Hintergrund der Finanzkrise und den sog. Spekulanten außer acht gelassen. Zum Unterschied zum frühzeitlichen Kapitalismus und zum Monopoly gibt es sehr wohl eine soziale Umverteilung.

    Und Spekulanten sind doch alle die Spargroschen in Wertpapiere anlegen oder z.B. einen Aktiensparplan für die Rente bedienen. Spektakulär sind nur solche Ausprägungsformen, bei denen viel Geldvermögen in Zukunftserwartungen investiert wird, die gegen gesellschaftliches Wunschdenken steht. So ist Griechenland ja nicht in Schwierigkeiten, weil es Spekulanten gibt, die die Lage erkannt haben, sondern weil sich Defizite aufgebaut und Strukturreformen nicht durchgefürt wurden.

    “Wer im Besitz des Kapitals ist, entscheidet wo es lang geht. ”
    Das ist bissi einfach und hat so einen rot-roten touch. Lass mal den Produktivitätsfaktor Arbeit weiter aufgleisen, dann wirst du sehen, dass dieser Faktor verbunden mit gesellschaftlichen Werten wichtiger ist als das reine Geldkapital.

    1. Sorry, aber diese Aussagen sind mir persönlich zu einfach und entsprechen ungefähr den Aussagen, welche ich täglich in unserer Presse lese. „Griechenland ist selber Schuld“, „Wir haben eine soziale Marktwirtschaft“ und „Kapitalkritiker sind Kommunisten“.

      Ich glaube nicht daran, dass Griechenland an seiner Misere zu hundert Prozent selber Schuld ist. Ein Blick in die Geschichte scheint dies nämlich zu beweisen. In einer vom Kapital regierten Welt, gab es schon immer Gewinner und Verlierer. Werfen Sie dazu einmal einen Blick nach Florenz oder Venedig. Diese Stadtstaaten konnten nur gedeihen, weil sie ihre Nachbarn ausplünderten. Erinnert sie dies an irgendetwas? Stichpunkte Ost- vs. West Deutschland, Mittel- vs. Südeuropa, Europa/USA vs. Dritte Welt.

      Und natürlich haben wir eine soziale Marktwirtschaft. Dies streitet auch keiner ab. Jedoch nur in den Grenzen, die das Kapital vorgibt. Gesellschaftliche Aspekte spielen hier immer eine untergeordnete Rolle. Oder warum wird seit 20 Jahren unser Sozialstaat kontinuierlich abgebaut? Auswirkungen davon sind solche Diskussionen wie sie derzeit um die Erhöhung des ALGII Satzes um fünf Euro geführt werden, während man im selben Atemzug die Übernahme der Heizkosten für ALGII Empfänger streicht? Bin mal gespannt wann die ersten Klagen aufgrund eines Urteiles von diesem Jahr erfolgen werden, bei dem entschieden wurde, für Mieter einer Wohnung besteht eine Heizpflicht.

      Wissen Sie, ich vertrete die Meinung „Arbeit sollte sich lohnen.“ Wer fleißig ist, etwas leistet soll dafür gut entlohnt werden. Egal ob er Klos schruppt oder neue Autos entwickelt. Diejenigen die nicht arbeiten wollen, sollen ein ordentliches Existenzminimum erhalten, damit ich mich auch abends in Ruhe auf die Straße wagen kann und keine Angst davor haben muss, dass man mir mit einem Knüppel den Schädel einschlägt. Da menschliche Eigenschaften wie Gier und Neid nicht abgestellt werden können, könnte ich mir als Alternative gut Ober- und Untergrenzen vorstellen. Eine Untergrenze besitzen wir bereits heute. Diese heißt ALGII.

      Allerdings gibt es noch keine Obergrenze. Gab es aber auch schon einmal. Nämlich in den USA nach dem großen Börsencrash. Damals erfolgte anschließend eine massive Umverteilung der Vermögen von Oben nach Unten. Und Nein, die USA war zu diesem Zeitpunkt nicht Kommunistisch.

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