Warum unsere gesetzliche Krankenversicherung nicht funktionieren kann

Unsere gesetzliche Krankenversicherung ist schon ein kompliziertes System. Da existieren Untergrenzen, da gibt es Obergrenzen. Dazwischen wird prozentual abgerechnet und natürlich existieren auch Ausnahmen. Fehlen nur die Ausnahmen von den Ausnahmen. Aber sicherlich wird es diese auch noch geben. Doch eigentlich sollte diese Krankenversicherung doch für Alle da sein und nach dem Prinzip funktionieren, „Wenn du krank bist, helfen wir dir und wenn du gesund bist, hilfst du den Anderen.“ Doch warum steigen dann in einem solchen System immer weiter die Kosten?


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Mir sagte vor kurzem jemand, „In Deutschland existiert kein Gesundheitssystem, in Deutschland existiert ein Krankheitssystem. Schließlich habe niemand ein Interesse daran, dass die Menschen gesund werden. Nur wenn man krank ist, verdienen alle dabei. Vom Arzt angefangen bis zum Pharmazeuten.“ An diesen Worten ist schon etwas Wahres dran. Doch der eigentliche Betrug an den Menschen beginnt doch bereits an einer ganz anderen Stelle.

Wenn in den nächsten Monaten Politiker mal wieder darüber schimpfen, dass unsere gesetzliche Krankenversicherung auf lange Sicht nicht finanzierbar ist oder neue Löcher irgendwo auftauchen, dann würde ich diesen Politikern gerne einmal folgende Zahlen vor ihren Augen halten.

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Fällt Ihnen dabei etwas auf? Richtig, von einer funktionierenden Kooperation kann man hier gar nicht sprechen. Diese Zahlen betreffen im Übrigen alle diejenigen, die sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert haben. Was fällt sofort auf? Es gibt in den untersten Einkommensgruppen einen Mindestbeitrag, der 297,02 Euro monatlich beträgt. Und es existiert ein Maximalbeitrag, der sich auf 575,44 Euro beläuft. Alle Beiträge dazwischen entsprechen den 15,5 Prozent, die derzeit fällig sind, wenn man gesetzlich krankenversichert ist. Gibt es einen Unterschied zu Pflichtversicherten, also diejenigen, die keine Wahlmöglichkeit haben? Nur Einen, der Mindestbeitrag kommt nicht unbedingt zum Tragen.

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Doch was bedeutet dies. Nun erst einmal, jeder der zwischen 1.916,25 Euro und 3712,50 Euro monatlich verdient, muss auch von seinem Einkommen 15,5 Prozent in die gesetzliche Krankenversicherung bezahlen. Bei Arbeitnehmern ist dieser Wert natürlich etwas geringer, da ein Anteil vom Arbeitgeber übernommen wird.

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Alle Einkommensgruppen unter oder über diesen Wert bezahlen keine 15,5 Prozent in die gesetzliche Krankenversicherung. Je nach Einkommen schwankt dieser Wert zwischen 30 Prozent bei 1.000 Euro Einkommen im Monat und knapp 3 Prozent bei 20.000 Euro Einkommen im Monat.

Man sieht an diesen Zahlen eins sehr gut, besonders wenn man sie sich prozentual vor Augen führt. Den gesellschaftlich schwersten Anteil an den Kosten der Krankenversicherung übernehmen alle diejenigen, die weniger als 3712,50 Euro im Monat für ihre Arbeit erhalten. Alle diejenigen die über diesen Wert liegen, werden finanziell entlastet. Von einem fairen System kann man in diesem Fall nun wirklich nicht sprechen.

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Denn eigentlich müsste eine Krankenversicherung, die fair zu Allen bleiben möchte, doch wie folgt aussehen. Der prozentuale Wert dürfte sich, wie die orange Linie zeigt, nicht ändern, egal wie viel man verdient.

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Finanziell würde sich dies ebenfalls auf die beiden Gruppen auswirken, die unter oder über den Grenzen lägen. Während sich prozentual nichts ändern würde, würden dafür aber die Beiträge mit jedem zusätzlich verdienten Euro. In schwierigen Zeiten würde man dagegen finanziell entlastet werden. Wäre dies nicht gerechter?

 

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

5 Gedanken zu „Warum unsere gesetzliche Krankenversicherung nicht funktionieren kann“

  1. Noch schlimmer ist doch, daß nicht alle in die GKV einzahlen, sondern einfach austreten können.

    Beamte, Gutverdiener, Selbständige. Wo bleibt da die Solidarität?

  2. Vollkommen richtig erkannt. Dies ist Baustelle Nummer zwei in unserem Krankenkassensystem. Allerdings könnte sich dieses Problem in den nächsten zehn Jahren von alleine lösen, denn wie ich aus sicherer Quelle weiß, gehen ein paar private Krankenversicherungen schon heute davon aus, in ein paar Jahren wird es eine private Krankenvollversicherung nicht mehr geben und statt dessen eine Bürgerversicherung existieren.

  3. Für die gleichen Leistungen sollen die Besserverdienenden mehr bezahlen? Das ist als ob man in den Supermarkt geht und an der Kasse einen saftigen Aufschlag draufzahlt nur weil das Einkommen einen bestimmten Grenzwert überschreitet. Ist das fair? Deutschland ist ein Sozialstaat, das stimmt. Und als solcher ist er schon sozial genug!

    1. Dies verstehe ich nicht ganz. Wer spricht denn von einem Aufschlag?

      Ein Aufschlag wird doch von denjenigen verlangt, die eh schon wenig verdienen. Die Besserverdiener werden dagegen mit einem Bonus aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze belohnt. Die Grafiken zeigen dies eindeutig. Ab einem Einkommen von 7.500 Euro monatlich sinkt der Beitragswert auf unter 7,5 Prozent, anstatt der veranschlagten 15,5 Prozent. Verdient man dagegen als Selbständiger in der GKV nur 1.000 Euro im Monat muss man rund 30 Prozent seines Einkommens an die GKV abführen. Für ein Grundrecht auf medizinische Versorgung ist dies ein äußerst teurer Aufschlag. Von Fairness kann man unter diesen Umständen wahrlich nicht sprechen.

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