Warum ich nicht glaube, dass der Onlinehandel den Handel zerstört

Seit über einer Woche bin ich zurück aus Japan und werde von vielen Freunden gefragt, wie es mir dort gefallen hat und was ich Besonders schön fand. Mir fallen viele schöne Erlebnisse ein, aber eine Sache hat mich besonders begeistert, der Umgang mit mir als Kunden.

Ich gebe zu, ich gehe nicht gerne einkaufen. Aber in Tokyo war dies anders. Ich verbrachte viel Zeit in Geschäften und an einem Tag, an dem ein Taifun über die Stadt fegte, war ich fast den gesamten Tag in irgendwelchen Kaufhäusern.

Bereits in Tokyo, aber im Besonderen nachdem ich wieder zu Hause war, stellte ich mir die Frage, warum mir das Shoppen soviel Spaß gemacht hat. Warum ich gerne in den Geschäften unterwegs war? Und was der Unterschied zu Deutschland oder vielleicht sogar Europa ist.

Ich fand einen Teil der Antworten ein paar Tage später, als ich wieder in Deutschland in einem Geschäft, einem Keksladen war. Ich betrat den Laden und das Erste was mir auffiel waren drei Verkäuferinnen, welche mir den Rücken zu drehten und miteinander sprachen. In Tokyo ist mir so etwas nie passiert. Hier wurde ich immer von den Angestellten begrüßt, sobald sie mich sahen. Selbst von denjenigen, welche nur Regale einräumten. Ich wurde wahrgenommen und dies gefiel mir.

Am selben Tag viel mir gleich ein weitere Unterschied auf. Ich war Mittagessen beim Asiaten und nachdem ich fertig war und mich verabschieden wollte, dass selbe Szenario wie in dem Keksladen. Die Angestellten interessierten sich nicht für mich und standen mit dem Rücken zu mir, ohne dass sie etwas wichtiges taten. Auch dies ist mir in Tokyo nie aufgefallen. Als Kunde wurde ich hier nicht nur begrüßt sondern man bedankte sich auch bei mir, auch wenn ich nichts gekauft habe. Ich fühlte mich als Kunde nicht nur respektiert, sondern hatte vielmehr das Gefühl, ich bin hier willkommen.

In den meisten Geschäften und Lokalen in Deutschland habe ich dieses Gefühl nicht. Hier denke ich immer, ich bin nicht willkommen sondern nur ein Störfaktor, der die Anwesenden gerade in einem Gespräch unterbricht. Hier habe ich das Gefühl, man möchte nur mein Geld, aber ansonsten will man nichts von mir wissen.

Durch die Erlebnisse in Japan verstehe ich so langsam, warum ich in Deutschland lieber online shoppe, als in irgendein Geschäft zu gehen. Es hat nichts mit dem Preis zu tun. Billig ist mir fast egal. Es hat viel mehr etwas mit einem Herzlichen Willkommen und mit Freude zu tun, was ich hier sehr oft schmerzlich vermisse. Ich denke, in Deutschland ist es egal wo ich einkaufe, hier kann ich auch Online einkaufen. Der Vorteil des Onlinehandel ist nur, die Beschäftigten zeigen mir nicht, dass ich störe. Und dieses Gefühl ist mir lieber, als ungewünscht zu sein.

Ich bin in der Zwischenzeit der Meinung, der Onlinehandel zerstört den Einzelhandel in Deutschland überhaupt nicht. Ich denke es ist eher so, dass der Einzelhandel sich selber abschafft, da er in der Zwischenzeit wirklich schlechter als ein Onlinestore ist. Die Gründe dafür habe ich bereits oben genannt, und diesen kann ich nur ein Spruch hinzufügen, denn ich nicht in Japan sondern in Zürich gelesen haben: “Wenn nur der Preis stimmt, stimmt der Preis nicht”. Dies kann ich bestätigen. In Tokyo stimmte das Ambiente, stimmte der Service und der Preis spielte eigentlich keine Rolle. Hier in Deutschland vergleicht man sich gerne über den Preis. Dabei ist verkaufen und den Kunden für sich zu gewinnen viel mehr als nur der Preiswerteste zu sein. Ich glaube dies haben wir hierzulande vergessen.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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