Unser Gesundheitssystem ist eine Katastrophe

Als Privatpatient geniest man so manche Vorteile. Bei vielen Ärzten wird man schneller behandelt und manchmal trifft man auch auf Ärzte die einem sogar ausführlich erklären, was gerade geschehen ist und wie man seine Gesundheit langfristig verbessern kann. Diese wertvollen Tipps möchte ich natürlich nicht missen, zumal es mir ungemein viel Freude bereitet, mich mit Menschen auf einem gewissen Niveau zu unterhalten. Umso geschockter ist man, wenn man auf einmal mit einem ganz anderen System konfrontiert wird, dem gesetzlichen Gesundheitssystem.

Es geschah an einem Wochentag abends gegen 22 Uhr, als mich meine Tochter darum bat, sie in die Notaufnahme zu bringen. Der Hintergrund waren unergründliche Schmerzen im Fuß, die plötzlich auftraten. Da ich über die Sinnhaftigkeit der Aktion nicht lange nachdenken wollte, fuhren wir gemeinsam in die Notaufnahme eines städtischen Krankenhauses. Dort angekommen schilderten wir kurz unser Problem und begaben uns anschließend in das Wartezimmer.

Voller Vorfreude bemerkte ich, es saß niemand in dem Wartezimmer, was nur bedeuten konnte, wir würden gleich aufgerufen werden und in wenigen Minuten können wir den Ort wieder verlassen. Doch leider irrte ich mich, denn ich rechnete nicht mit der Geduld der ansässigen Mitarbeiter des Krankenhauses. Minute um Minute verstrich und langsam stellte ich mir die Frage, welche dringenden Notfälle denn noch alle vor uns behandelt werden müssten und warum wir in dem zwar schönen aber langweiligen Warteraum uns überlassen wurden? Da ich diese Zustände schon lange nicht mehr kannte, wurde ich zusehends unruhiger. Punkt Mitternacht war ich mit meiner Geduld am Ende und wir beschlossen zu gehen.

Als ordentlicher Bürger, meldete ich meine Tochter an dem Empfang ab und teilte mit, wir würden das Krankenhaus verlassen. Daraufhin stellte man mir die Frage „Ob wir es uns anders überlegt hätten.“ Es passiert zwar nicht oft, aber in dieser Situation war ich sprachlos. Ich fragte mich, wo befand ich mich noch einmal? In einem Krankenhaus oder in einem Autohaus. Betrachtete man uns hier, in dieser Notfallstation als Kunden oder als Patienten? Ich hatte das Gefühl, das Zweite war der Fall. Als ich mich Freunden über diesen Vorfall unterhielt, bestätigten diese mir, dies sei kein Einzelfall. Wartezeiten von über einer Stunde gehören zur Normalität. Man rechnet sogar schon mit mindestens zwei Stunden Wartezeit und richte sich darauf ein.

Aber was ist dies für ein Gesundheitssystem bei dem man als einziger Patient über eine Stunde warten muss, ohne eine Rückmeldung oder ein Feedback zu erhalten? In meinen Augen ist dies Respektlos gegenüber den Patienten. Und so fühlte ich mich auch in diesem Moment. Ich war es gewöhnt, dass mir die Ärzte auf Augenhöhe entgegen kamen, genauso wie ich es auch mit meinen Mitmenschen handhabe. Doch in diesem Fall spürte ich davon überhaupt nichts. Es spricht ja nichts gegen lange Wartezeiten, aber dann bitte sollte man den Wartenden zu mindestens signalisieren, wie lange es noch dauern könnte und ihnen Alternativen anbieten. Die vorliegenden Magazine, die  ausschließlich aus Boulevardblättern bestanden, konnten diesen Zustand auch nicht verbessern.

Man kann nur darüber spekulieren, warum das Verhalten der Diensthabenden in dieser Form statt fand. Jedoch möchte ich keine Debatte darüber auslösen, ob die Menschen in unserem Gesundheitssystem nur ordentlich und fair arbeiten, wenn das Geld stimmt. Dies steht mir nicht zu. Das Erlebte kann ich auch nur mit meinen eigenen Erlebnissen vergleichen, die anders verliefen. Doch wenn ich sehe es wird mit zweierlei Maß gemessen, dann regt sich in mir ein Gerechtigkeitsempfinden, welches verlangt, diese Zustände zu verändern.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

4 Gedanken zu „Unser Gesundheitssystem ist eine Katastrophe“

  1. ich bin ein chronisch kranker Patient mit einer Schuppenflechte und Gelenkerkrankung und muß immer wieder feststellen, daß am Ende des Budgets noch so viel Quartal beim Doktor übrig ist, kommen Sie doch bitte im nächsten Quartal wieder , wenn Sie ein Rezept brauchen, wir machen so lange Urlaub oder Fortbildung, damit wir zum Quartalsende ja keine neuen Rezepte mehr ausstellen brauchen.

    1. Das Gesundheitssystem ist wirklich eine katastrophale Baustelle. Und warum? Weil es von vorne bis und hinten derzeit nicht mehr finanzierbar ist. Der Fehler liegt aber nicht, wie viele behaupten, im Gesundheitssystem, sondern im Geldsystem. Gesundheitsvorsorge ist nun mal kein Wachstumsbringer, weswegen im Kapitalismus, welches auf Wachstum ausgelegt ist, dieses System zwangsläufig irgendwann einmal hinten herunter fallen muss und sich dann nur noch auf diejenigen konzentriert, die zum Beispiel mit dem Kauf von Medikamenten, für Wachstum sorgen.

      Sobald wir uns von dem permanenten Wachstumsgedanken lösen, wird auch wieder das Gesundheitssystem funktionieren können. Denn eine zufriedene Gesellschaft kann ohne ein ordentliches Gesundheitssystem nicht funktionieren. Und die meisten Ärzte mit denen ich spreche, würden auch lieber Vorsorgen anstatt dauernd Symptome zu bekämpfen und Medikamente zu verschreiben.

  2. Hilfe mein Sohn (12 Jahre alt) hat seit einem Tag Durchfall und es geht ihm nicht gerade gut.Bis heute waren wir noch nicht beim Arzt es ist ja “nur” weicher Stuhl, bin mir aber immer unsicherer es könnte ja das EHEC Darmvirus bedeuten. Was ist euer Ratschlag direkt zum Arzt oder noch warten?

    1. Ich würde nicht länger warten und auf jeden Fall zum Arzt gehen. Schließlich ist mit Durchfall auch immer ein starker Flüssigkeitsverlust verbunden. Ob es der Virus ist, keine Ahnung. Dies kann auch ein einfacher Darminfekt sein. Näheres kann Ihnen aber wirklich nur ein Arzt sagen.

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