Treffen mit dem US-Militär

Vor kurzem las ich ein Buch von Jürgen Todenhöfer. In diesem berichtete er von einer Episode, bei der er ein Gebäude fotografierte, obwohl vor diesem ein Schild hing, „Fotografieren verboten.“ Es kam wie es kommen musste und Jürgen Todenhöfer wurde erwischt und von der Polizei abgeführt. Dies geschah im Iran und sicherlich denkt man sich, wenn man diese Geschichte liest „Nun ja, das ist halt der Iran. Hierzulande würde so etwas nicht passieren.“ Dazu kann ich nur sagen, der Iran ist uns vielleicht viel näher als wir denken.

Es geschah im Sommer 2009 als ich im schönen Heidelberg zu Besuch war. Die Stadt hatte ich vor Jahren schon einmal bereist, nur handelte es sich damals mehr um eine Durchreise als eine Besichtigung. Deswegen kam es mir sehr gelegen als ich eine Einladung erhielt und mir ein paar Tage in Heidelberg gönnen konnte. Was mir als gebürtiger Ossi nicht bekannt war, ist dass sich in Heidelberg einer der größten Militärstützpunkte der Amerikaner befand. Ich kenne aus meiner Kindheit nur die Kasernen der Russen und bin heute heilfroh, dass diese Stützpunkte Eigenheimsiedlungen gewichen sind. Einen Militärstützpunkt einer anderen Nation suchst man bei uns vergeblich.

Auf dem Weg zum Heidelberger Bergfriedhof, auf dem ich das Grab des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert besuchen wollte, begegnete ich der Kasernenanlage des US Militärs. Amerikanische Soldaten waren mir zuvor schon in Heidelberg aufgefallen und wie mir meine Gastgeberin versicherte, sind diese aus wirtschaftlicher Sicht für die Region sehr wichtig. Deswegen gibt es in Heidelberg derzeit auch viele Diskussionen, wie man den Standort erhalten könnte, da die US Regierung die Schließung der Kaserne plant. Durch einen dummen Zufall standen wir plötzlich vor der Kaserne, ein paar Haltestellen entfernt vom Heidelberger Bergfriedhof. Da ich mich gerne zu Fuß bewege, beschlossen wir die zwei Haltestellen zurück zu laufen, immer vorbei an der Kaserne.

Auf dem Rückweg fiel mir das besagte Schild ins Auge auf dem stand, dass das Fotografieren und Filmen verboten sei. Wenn ich solche Schilder sehe, bleibt mir nichts anderes übrig als diese zu fotografieren. Ich dachte mir, „Dass muss ich festhalten. Die USA verbietet mir im eigenen Land Fotos zu schießen?“ Insgeheim war ich auch daran interessiert was geschehen würde, wenn ich mich gegen diese Regel widersetze. Doch wider erwarten geschah nichts. Kein Mensch schien sich für meine Fotos zu interessieren und US Soldaten gingen einfach an mir vorbei und würdigten mich nur eines kurzen Blickes. „Nun wenn kein Alarm geschlagen wird und sich niemand rührt, dann kann ich noch ein paar Fotos schießen.“, sagte ich mir und knipste fleißig weiter. Anschließend liefen wir gemütlich weiter.

Irgendwann waren wir an den Kasernen vorbei und ich freute mich über die Fotos als plötzlich hinter uns eine Stimme uns zurief, dass wir mal bitte warten sollten. Ich drehte mich um und da stand sie in Form seines Stellvertreters, die größte Militärmacht unserer Zeit. Ein GI samt seinen Dolmetscher kamen auf uns zu und der Dolmetscher befragte uns nach den Fotos. Da ich mir dachte, wegen ein paar Fotos von Schildern würde man nicht gleich durchdrehen, schnappte ich mir meine Kamera und zeigte dem Dolmetscher und dem GI die Bilder. Der Letztere verzog dabei keine Miene. Er war auch derjenige der Beiden, welcher nicht nach Luft zu schnappen schien. Letztendlich bestand der GI darauf, dass die Bilder gelöscht werden müssen. Jegliche Diskussion wurde im Keim erstickt. Es war ihm egal ob es sich bei den Bildern nur um die besagten Verbotsschilder handelte. Schade eigentlich denn eins der Schilder wurde wahrscheinlich für Leute aufgehängt, welche manchmal Kopf stehen. Es hing verkehrt herum, dafür aber gerade.

Letztendlich fragte ich mich natürlich vor was die Amerikaner hierzulande Angst haben. Der letzte Anschlag auf die Heidelberger Kaserne wurde von Deutschen verübt und dies ist über 20 Jahre her. Was den GI und seinen deutschen Dolmetscher betrifft, so verhielten sich beide respektvoll und höfflich. Sicher waren sie sich darüber im Klaren, dass ich ihre Bitte nicht ablehnen würde. Wie auch, für mich war diese Situation neu und schließlich leg ich mich doch nicht mit durchtrainierten GI’s an. Seit Jürgen Todenhöfer weiß ich aber auch, dass man beim Nächsten mal vielleicht etwas mehr diskutieren sollte.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

2 Gedanken zu „Treffen mit dem US-Militär“

  1. Lustige Geschichte. 🙂
    Ich gehe mal davon aus das es digital Fotos waren. Da hättest Du die doch ganz einfach am PC wider herstellen können. Oder bestand der Soldat darauf das du Deine Speicherkarte formatierst? 🙂

    M.f.G.

  2. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpnukt leider nur eine Karte. Wenn man die Bilder hätte wieder herstellen wollen, wäre es nichts mit den anderen Bildern geworden 😉

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