Suchmaschinenoptimierung oder SEO – das Unwort im Internet?

Es gibt Begriffe mit, denen man heute ganz gut hausieren gehen kann. Einer dieser Begriffe ist „Suchmaschinenoptimierung“. Sobald Geschäftskunden diesen Begriff hören, leuchten bei den meisten die Augen. Dabei dürfte es diesen Begriff in dieser Form gar nicht geben. Denn Suchmaschinenoptimierung bedeutet letztendlich man optimiert die Suchmaschine oder etwas für die Suchmaschine. Doch was optimieren, wenn man gar nicht weiß, wie die Suchmaschine funktioniert?

Es ist heute kein Geheimnis, dass die großen Suchmaschinen, allen voran Google, ein Geheimnis aus ihren Suchalgorithmen machen. Dies verwundert auch nicht, denn schließlich stehen die Suchmaschinen in direkter Konkurrenz zueinander. Der Suchalgorithmus einer Suchmaschine gehört zu den wohlbehüteten Geschäftsgeheimnissen eines Suchmaschinenbetreibers. Vergleichen kann man dies sehr gut mit der Geheimrezeptur von Coca Cola, die auch keiner kennt, von ein paar wenigen Ausnahmen natürlich abgesehen.

Der geläufige Begriff Suchmaschinenoptimierung vermittelt aber, man optimiert etwas für die Suchmaschine. Also, man kann letztendlich durch eine Optimierung der Webseite die Suchergebnisse der Suchmaschine beeinflussen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste man aber die Suchalgorithmen der Suchmaschine kennen, wodurch gleich die nächste berechtigte Frage gestellt werden dürfte. „Sind sie Mitarbeiter bei Google?“ Denn schließlich würde man auch niemanden glauben, wenn dieser behaupten würde, er könnte die Rezeptur von Coca Cola verbessern. Auch hierfür wäre die Grundlage erst einmal, die Rezeptur überhaupt zu kennen, womit man dann aber sicherlich nicht hausieren gehen würde.

Suchmaschinenoptimierung ist somit letztendlich keine Optimierung der Webseite für die Suchmaschinen, sondern in erste Linie für die Besucher. In diesem Fall sogar für einen bestimmten Besucherkreis, nämlich denjenigen dessen Sehkraft eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden ist, sprich der blind ist. Ein Suchmaschinen-Bot, der eine Webseite durchsucht, agiert ähnlich. Dieser Bot kann nur aufgrund der vorhandenen Informationen herausfinden, was auf der Webseite optisch und inhaltlich dargestellt wird. Anhand des Designs kann er Webseiten nicht vergleichen, weswegen bei den Suchmaschinen auf den vordersten Plätzen auch meistens Seiten zu finden sind, die sich durch Inhalte auszeichnen. Wäre das Design die messbare Größe, würde man ganz andere Ergebnisse erhalten.

Aufgrund dieser Fehldeutung des Begriffes Suchmaschinenoptimierung kommt es gerade bei Menschen, die sich mit dem Thema nicht beschäftigen, immer wieder zu Missverständnissen. Dieser Begriff dürfte eigentlich nur von Menschen sinnvoll verwendet werden, die sich mit der Programmierung neuer Suchalgorithmen bei den Suchmaschinen beschäftigen. Da dies, wie bei Coca Cola, nur ein kleiner Teil der Menschheit ist, würde der Begriff schnell als Fachbegriff in der Versenke verschwinden. Da der Begriff Suchmaschinenoptimierung trotzdem eine solche starke Bedeutung in unserer heutigen Zeit besitzt, verdient er die Bezeichnung des „Unwortes“. Denn sinnvoller wäre es, wenn man zukünftig von Webseitenoptimierung sprechen würde. Denn damit würde klar erklärt werden, was heute unter Suchmaschinenoptimierung verstanden wird.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

2 Gedanken zu „Suchmaschinenoptimierung oder SEO – das Unwort im Internet?“

  1. Das Wörtchen Suchmaschinenoptimierung hat bei Google ca. 31 Mio. Treffer. Webseitenoptimierung hingegen nur 269.000. Die Chancen sich über das "richtige" Suchwort im Web gut zu platzieren stehen also besser.
    Wahrscheinlich zwar weniger Suchanfragen, dagegen jedoch eine höhere Trefferquote.

    1. @Michael Bauer: Sehe ich nicht ganz so. Wenn du von Suchmaschinenoptimierung spichst, weiß in der Zwischenzeit so ziemlich jeder, was damit gemeint ist. Bei der Webseitenoptimierung sieht dies etwas anders aus. Es ist somit nicht nur wichtig ob man Begriffe verwendet, bei denen der Wettbewerb in den Suchmaschinen gering ist, sondern in erster Linie Begriffe, die diejenigen auch verstehen, die man damit ansprechen möchte.

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