Stilberatung – Wer benötigt so etwas und was geschieht da eigentlich?

Ich hab schon vernommen, einige lächelten als sie erfuhren ich würde in den nächsten Tagen einen Stilberater aufsuchen. Ich denke, ich hätte auch nicht anders reagiert. Wozu einen Stilberater? So einen Berater benötigt man doch nur wenn man keinen Stil besitz. Oder? Ich war mir da auch nicht so sicher. Hatte ich nun Stil oder war ich endgültig in die Mühlen der Modetrends geraten? Und konnte mir ein Stilberater letztendlich diese Sorgen nehmen oder würde er mir dazu raten jeden Trend mitzunehmen und zu konsumieren was das Zeug hält?

Zum Glück erhielt ich eine Empfehlung, wie so oft im Leben. Und was mich letztendlich dazu bewog diesen Schritt zu gehen war der Hinweis, der empfohlene Stilberater würde einen nicht verbiegen. Man dürfte also so bleiben wie man ist. Dies gefiel mir, denn wenn ich etwas überhaupt nicht mag, dann dies, wenn man mir sagt, ich muss etwas so oder so machen. Als Nächstes fragte ich mich natürlich was mich denn da überhaupt erwarten würde. Auf was würde eine Stilberatung hinauslaufen? Die aktuellen Modetrends konnten damit nicht gemeint sein. Ein erstes Telefonat mit dem Stilberater bestätigte dies. Eine Stilberatung führt man nur einmal im Leben durch. Danach kann man mit den gewonnenen Informationen durchs Leben gehen und benötigt nur noch in schwierigen Situationen eine Empfehlung was gerade modisch angebracht ist.  Zum Beispiel dann wenn ich einmal zum Opernball in Wien eingeladen werden sollte (was ich aber nicht hoffe, denn dann würde ich noch einen Tanzlehrer benötigen 😉 Dies klang doch alles sehr gut. Und damit konnte das Experiment starten.

Ich hätte nicht geglaubt was man in fünf Stunden bei einem Stilberater alles lernen könnte. Die Flut an Informationen war einfach berauschend. Doch was mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zauberte war die Aussage des Beraters, ein Stilberater wird nur von Menschen aufgesucht die noch einen Feinschliff benötigen.  Menschen, die sich nicht bereits von Grund auf mit dem eigenen Stil beschäftigen, würden auch niemals einen Stilberater aufsuchen. Dazu gab es noch eine zweite wichtige Information. Instinktiv wählen die meisten Menschen immer die Kleidung für sich aus, die auch zu ihnen passen. Nur ab und zu greift man daneben. Dies sind dann meistens die Sachen, die man auch zukünftig nicht anziehen möchte. Auch das beruhigte mich ungemein, dachte ich doch zuvor, nach der Stilberatung könnte ich meine gesamte Garderobe auswechseln.

Ein Beispiel anhand einer Geschichte gab der Stilberater dann auch noch zum Besten. Er erzählte, er wurde vor längeren von einer Frau aufgesucht, die auch gleich ihren Mann mitschleppte, mit dem Ziel ihrem Mann einen neuen Stil zu verpassen. Nach der Erstberatung besuchte der Stilberater das Ehepaar und sah sich in den Kleiderschränken der beiden Verheirateten um. Am Ende flog aus dem Kleiderschrank der Frau über die Hälfte der Sachen heraus und bei dem Mann blieb bis auf zwei Teile alles drin. So kann es gehen.

Doch was erfährt man eigentlich alles bei einem Stilberater? Ich kann natürlich nur einen Überblick darüber geben, denn wie bereits erwähnt erschlägt einen die Masse an Informationen förmlich. Das wichtigste was man jedoch von einem Stilberater mitbekommt ist die eigene Farbpalette, also die Farben die optisch zu einem passen. Hierzu werden die verschiedenen Farben in vier Farbtypen eingeteilt. Diese vier Farbtypen sind eine erste Orientierung. Danach erfolgt eine Tiefenprüfung bei der mein Stilberater aus 1.000 verschiedenen Farbabstufungen die richtigen Farben für mich auswählte.

Anschließend bestimmte der Stilberater die richtigen Hemdkragen, die zu den Linien des Unterkiefers passten. Danach folgte die Bestimmung der geeigneten Muster auf den Stoffen für meine Person, also ob man Sachen mit dicken oder dünnen Streifen, Karos oder was auch immer, tragen kann. Daraufhin wurden die passenden Schuhformen, die geeigneten Mantellängen und die besten Krawattenfarben ermittelt. Danach folgten noch weitere Kleinigkeiten, die im täglichen Leben nützlich sein könnten. Damit man auch nichts vergisst wurde am Ende der Beratung alles noch einmal schriftlich festgehalten. Zum Schluss brummte mir der Schädel.

Doch bereits zwei Tage später wusste ich, wie man das gewonnene Wissen effektiv einsetzen könnte. Denn da ich selber kein großer Fan vom Einkaufen bin, mach ich es mir jetzt mit Hilfe meiner persönlichen Farbpalette einfach. Vor kurzem holte ich mir auf diesem Weg ein paar neue Jeans, sehr zur Verwunderung der Verkäuferin, die so etwas noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Dieser hielt ich nämlich die ausgewählten Farben entgegen, sagte noch was ich genau suche und anschließend durfte sie mir zeigen, wo ich die entsprechenden Sachen finde. Innerhalb von zehn Minuten war der Einkauf abgeschlossen und ich konnte entspannt das Geschäft verlassen.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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