Staatspleite: Warum ich den Kompromiss in Zypern richtig gut finde

Zypern ist gerettet, zu mindestens vorerst, wie man es heute früh überall lesen konnte. Man hat sich irgendwie dann doch noch geeinigt. Nur ist diese Einigung in meinen Augen einer der Besten der letzten 5 Jahre und vielleicht der Beginn einer Kehrtwende, bei der Rettung bankrotter Staaten. Warum ich dies so sehe, dazu jetzt mehr.

Punkte für den Rettungsplan in Zypern

Ich sehe mehrere Punkte, die meiner Meinung nach für den Rettungsplan in Zypern sprechen.

  1. Wir sind der Staat. Mit diesem Rettungsplan wird offensichtlich, wir haften für die Verbindlichkeiten unseres Staates. Allerdings wird dies im Fall Zypern kaum jemanden interessieren. Denn ich gehe davon aus, maximal 10 bis 20 Prozent der Menschen in Zypern verfügen über Guthaben von über 100.000 Euro.
  2. Sparen lohnt sich nicht. In einer Nullsummenwelt, schädigt zuviel sparen die Wirtschaft. Vielleicht wird es durch den Rettungsplan in Zypern noch mehr Menschen bewusst, die Guthaben der Einen sind die Schulden der Anderen. Und nur wer Geld zum fließen bringt, sorgt für Arbeit und mehr Produktivität.
  3. Geld ist kein Privateigentum. Wenn man jederzeit Geld konfiszieren kann, ist es defacto kein Privateigentum mehr. Der Euro gehört der EZB, von der er täglich erschaffen wird. Und die EZB kann den Euro jederzeit auch wieder zurückfordern. Dies wird im Fall Zypern eindeutig.
  4. Nachhaltig investieren, statt Superrenditen. Wer Renditen erwirtschaften möchte, sollte sich immer auch dem Risiko bewusst sein. Durch das Sperren der Anlegerkonten wird Anlegern, welche auf Superrenditen in Pleitestaaten spekulieren, ein wichtiger Riegel vorgeschoben.
  5. Ein neues Modell zur Refinanzierung bankrotter Staaten. Ich gehe davon aus, dieses Modell wird um sich greifen. Zypern wird erst der Anfang sein. Weitere Staaten werden dieses Modell übernehmen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Zwangsabgaben noch einmal steigen werden.

Sollte man durch die Rettung von Zypern in Panik verfallen?

In Panik würde ich nicht verfallen. Die Grenze von 100.000 Euro wird man nicht anrühren. Diese Summe ist notwendig um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Ist man jedoch in der glücklichen Lage, mehr als 100.000 Euro sein Eigen zu nennen, würde ich mir langsam Gedanken darüber machen, wie man dieses Geld sinnvoll investieren kann. Anlegen, egal ob in Gold, Aktien, Versicherungen oder sonstigen Sparanlagen, würde ich mir reichlich überlegen. Warum?, Gold wurde schon früher konfisziert um Staatspleiten abzuwenden, Aktienkurse werden bei den derzeitigen Indexwerten bald wieder abstürzen und viele Versicherungen investierten in der Vergangenheit in Staaten oder Aktien.

Was könnte man stattdessen unternehmen? Wenn man sich von Renditen verabschiedet kann man darüber nachdenken, was man sinnvolles mit seinem Geld anstellen könnte. Denkbar wäre zum Beispiel Familienmitglieder, Freunden oder guten Bekannten, die ein Haus, eine Wohnung oder andere Kredite abzahlen müssen, ein zinsfreies oder zinsgünstiges Darlehen anzubieten. Damit bringt man sein Vermögen sofort in den Kreislauf und erhält es über einen längeren Zeitraum zurück. Zudem hilft man seinem direktem Umfeld, die eigenen Schulden schneller los zu werden und stärkt gleichzeitig deren Kaufkraft.

Eine letzte offene Frage bei der Rettung von Zypern

Es gibt noch einen Punkt bei der Rettung von Zypern, bei dem ich mich frage wie man in diesen Fällen verfährt. Dies betrifft Konten von Unternehmen, welche Summen von über 100.000 Euro benötigen, um die laufenden Gehälter ihrer Angestellten bezahlen zu können oder Wareneinkäufe zu gewährleisten. Sollte man diese Konten ebenfalls mit einer Zwangsabgabe belegen, könnte es zu reichlich Firmenpleiten kommen. Leider weiß ich nicht, ob dies in Zypern der Fall ist. Denn bisher habe ich immer nur etwas von Spareinlagen gehört.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

6 Gedanken zu „Staatspleite: Warum ich den Kompromiss in Zypern richtig gut finde“

  1. Hallo Ronny,
    zur “letzten offenen Frage”: habe irgendwo gelesen, daß das verarbeitende Gewerbe in Zypern nur knapp 6% am BIP ausmacht. Ist also nicht gerade eine Industrienation biblischen Ausmaßes…
    Was die Argumente für den Rettungsplan betrifft: da spricht doch wieder mal der Schwundgeld-Prediger ;-). Allerdings glaube ich nicht an ein flächendeckendes Modell zur Rettung von Pleiteländern. Spätestens, wenn das Ganze mal kein Spaß mehr ist und in einem wirklich relevanten Staat durchgezogen werden soll, dann wandert die Kohle der europäischen “Leistungsträger” auf die Caymans bzw. in Blutdiamanten-Minen o.ä. (zählt das dann schon wieder als “in den Kreislauf gebracht”?).
    Übrigens würde ich gern meiner Bank den Finger zeigen und bei dir ein zinsloses Darlehen für mein Häusle aufnehmen…;-)

    1. @Axel: Kann ich mir gut vorstellen und würde ich dir auch sofort geben, wenn ich die Kohle hätte 😉

      Noch was zum Schwundgeld. Schwundgeld ja, aber nicht ab den ersten Euro. Dies wäre kontraproduktiv, weil ich meine, die Menschen sind dafür nicht geschaffen. Besser wäre eine fette Vermögenssteuer ab einer bestimmten Summe X.

  2. Hallo Ronny,

    wieder einmal ein schöner Beitrag, der zum Nachdenken anregt. Ich erinnere mich noch genau an unser erstes Gespräch vor circa 1,5 Jahren. Damals äußertest du die Idee, die Gelder doch lieber beim regionalen Bäcker anzulegen, um dann ein Leben lang vergünstigtes Brot und Brötchen zu erhalten. Die Idee halte ich nach wie vor für eine lohnende Investition. Der Bäcker hat Stammkundschaft und kann besser planen, der Investor deckt den Grundbedarf zum Leben… Warum gibt es eigentlich noch keine regionale Crowdinvesting-Möglichkeit bzw. Plattform? Seedmatch und co. sprießen doch auch wie Unkraut aus dem Boden… hmm… Also ich wäre dafür und sicherlich auch viele andere, die ich kenne 🙂

  3. Mit dem Punkt “Wir sind der Staat” habe ich so meine Probleme. Siehe die in meinen Augen etwas unselige Kampagne “Du bist Deutschland”, die von vielen hübsch aufs Korn genommen wurde. Wer mal eine andere als die Mehrheitsmeinung vertreten hat, dafür demonstriert und die Macht des Staates zu spüren bekommen hat, wird sich mit dem Satz wohl etwas unwohl fühlen. Siehe Auseinandersetzungen um Atomenergie (z. B. Wackersdorf, Gorleben, Brunsbüttel, Kalkar, …). Nicht alles, wofür der Staat Schulden macht, ist in meinem Sinne. Ja, darüber kann man trefflich diskutieren …

    1. Hallo Wolf, da pflichte ich dir bei. Es sollte doch eigentlich so sein, dass wir der Staat sind. Nur wird dies oft von den Regierenden ignoriert. In einer ernsthaften Gemeinschaft würde auch eine Minderheit Gehör finden, anstatt sie zu verprügeln, zumal wenn sie gewaltfrei gegen Dinge protestiert. Regierungen die dies ignorieren und stattdessen versuchen die vermeintliche Ordnung mit Gewalt wieder herzustellen, sind in meinen Augen unfähig zu regieren. Oder?

      1. Hallo Ronny,
        ja, das alte Spannungsfeld zwischen “So sollte es sein” und “So ist es”. Ich wünsche mir auch ein Gemeinwesen, mit dem ich mich voll identifizieren kann … Muss an Rio Reiser, “Der Traum ist aus” denken.

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