Raucher sind doof, Nichtraucher auch – Wie man unsere Gesellschaft spaltet

Es ist doch immer wieder dasselbe leidliche Thema, mit dem man sich als Nichtraucher herumschlagen muss. Da will man sich mit seinen Mitmenschen gemütlich unterhalten und auf einmal werden die Glimmstängel heraus geholt und diese vor den eigenen Augen angezündet. Anschließend wird aus Höflichkeit versucht den Rauch in die entgegen gesetzte Richtung zu blasen, bei Gegenwind ein hoffnungsloses Unterfangen. Dies führt dazu, dass man als Nichtraucher darüber nachdenkt, ob man sich nicht vom Ort des Geschehens entfernen sollte. Zum Glück hat unser Gesetzgeber aber diesem Treiben ein Riegel vorgeschoben und endlich die Raucher in ihre Schranken gewiesen! Könnte man meinen, wenn man den schwarzen Peter den Rauchern in die Schuhe schieben würde.

Ein Rauchverbot ist eine Freiheitsbeschränkung von Rauchern!

Die Debatte über das vielerorts ausgesprochene Rauchverbot durfte ich vor kurzem erst wieder führen. Die Meinung des anwesenden Rauchers war, der Gastronom sollte doch selber darüber entscheiden können, ob man in seinem Restaurant oder seiner Kneipe rauchen dürfte oder nicht. Die Fraktion der Nichtraucher bringt als Gegenargument auf solche freiheitlichen Gedanken immer das Argument der Gesundheit. Denn man kann nicht von Freiheit sprechen, wenn man nicht auch als Nichtraucher die Freiheit besitzt, sich frei in der Öffentlichkeit zu bewegen, ohne sich dabei den gesundheitsschädlichen Qualm einer Zigarette auszusetzen. Das Gegenargument der Raucherfraktion ist an dieser Stelle äußerst fragwürdig, wenn behauptet wird, man muss sich als Nichtraucher nicht dort bewegen wo geraucht wird.

Rauchen ist schädlich, also schädigen Raucher ihre Mitmenschen!

Eine solche Debatte wird sich immer im Kreis drehen und letztendlich dafür sorgen, dass man eine Kluft zwischen Rauchern und Nichtrauchern schafft. Eine Kluft, die wir aufgrund der Rauchverbote aktiv zu spüren bekommen. Doch beginnen wir doch einmal damit, die eigentlichen Ursachen des Rauchverbotes zu erforschen. Was war der Auslöser dafür, dass Raucher immer mehr in das Abseits getrieben wurden und sich ein Rauchverbot durchsetzen konnte? Schließlich war die Situation vor rund fünfzig Jahren eine komplett andere. Damals war Rauchen „in“ und „cool“. Die Antwort auf diese Frage kann heute jedes kleine Kind wie aus der Pistole geschossen, beantworten. Selbstverständlich ist Rauchen gesundheitsschädlich, was Wissenschaftler in den letzten Jahren mehrfach belegen konnten. Aber vor allem ist der Zigarettenrauch, der beim Rauchen entsteht, auch schädlich für diejenigen, die gar nicht rauchen. Deswegen erscheint es nur logisch, dass man das Rauchen in der Öffentlichkeit verbieten musste, um die Freiheit der Nichtraucher nicht einzuschränken. Ist doch logisch, oder?

Von rauchenden Freunden sollte man sich als Nichtraucher trennen!

Mitnichten, diese Aussage berücksichtigt nämlich einen wichtigen Punkt nicht. Und dies ist der bereits erwähnte in der Einleitung. Die zwischenmenschliche Komponente wird an dieser Stelle komplett vernachlässigt. Wenn ich Menschen schätze, weil ich mich mit diesen gut verstehe und gut unterhalten kann, diese Menschen aber Raucher sind, bleiben mir als Nichtraucher nur zwei Möglichkeiten übrig. Entweder ich schädige meine Gesundheit indem ich passiv mit rauche, oder ich verzichte auf die Gesellschaft dieser Menschen, wenn diese rauchen. Bei Kettenrauchern müsste ich mich aus Rücksicht auf meine Gesundheit komplett von diesen Menschen trennen und dies nur weil sie rauchen. Ich verzichte somit unfreiwillig auf einen zwischenmenschlichen Kontakt, der mir eigentlich viel bedeutet. Natürlich könnte man anbringen, man kann seinem Gegenüber darum bitten, nicht zu rauchen, doch damit würde ich mein Dilemma als Nichtraucher nur auf den Raucher übertragen und ihn ebenfalls in eine unangenehme Situation bringen.

Was wäre, wenn Zigaretten nicht mehr gesundheitsschädlich wären?

Man kann es drehen und wenden wie man möchte. Die Debatte um die gesundheitlichen Schäden des Rauchens und das Finden eines Kompromisses scheinen unlösbar. Dabei denke ich, wir führen die Debatte aufgrund von Argumenten, die nicht debattierbar sind. Durch diese Debatte wird ein Keil zwischen Raucher und Nichtraucher getrieben. Dabei vergisst man die eigentlich wichtigste Frage zu stellen. Denn würden wir diese Debatte überhaupt führen, wenn Zigaretten nicht gesundheitsschädlich für Nichtraucher wären? Unter diesem Gesichtspunkt wird deutlich, wer sich um die Lösung des Problems kümmern müsste. Nicht der Raucher kann dafür zur Verantwortung gezogen werden, weil er raucht, sondern die Unternehmen, denen es erst ermöglicht wird Produkte zu verkaufen, die für die Menschen gesundheitsschädlich sind. Wenn wir eine faire Debatte führen wollen, müssen wir darüber diskutieren, ob die Unternehmen dafür verantwortlich sind, ihre Produkte so weiter zu entwickeln, dass sie die Maßgaben eines menschenwürdigen Produktes entsprechen. Denn man kann nicht die Menschen an eine glimmende Nadel hängen und dann von ihnen verlangen, sie sollen sich selber von dieser Droge lösen. Dass dies nur wenigen gelingt, hat die Geschichte bewiesen.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

6 Gedanken zu „Raucher sind doof, Nichtraucher auch – Wie man unsere Gesellschaft spaltet“

  1. Hi Ronny – ein Glück, dass Du die Länge der Kommentar heraufkorrigiert hast ;-), denn hier kommt wieder ein Pamphlet:

    Ordnungspolitisch und gesellschaftstheoretisch sind die Anti-Raucher-Gesetze (nein, ich werde hier nicht Euphemismen wie “Nichtrauerschutz” verwenden) ein rigider Eingriff des Staates in die persönliche und unternehmerische Freiheit. Gehen wir vom Standpunkt aus, dass Freiheit der natürliche und anstrebenswerte Grundzustand ist, sollte der Staat nur dann mit Ver- und Geboten agieren, wenn im Zuge einer Güterabwägung die individuelle Freiheit ein anderes Rechtsgut stark gefährdet oder verletzt, wie zum Beispiel die Gesundheit anderer. Damit kommen Anti-Raucher-Gesetze also ordnungspolitisch prinzipiell in Frage, sollten aber verhältnismäßig und nicht leichtfertig verhängt werden, denn Freiheit ist ein hohes Rechtsgut, das nicht von ungefähr in den Artikeln 1 (Absatz 2 u. 3) und 2 im Grundgesetz verankert ist.

    Dass Rauchen für den Raucher schädlich ist, sei unbestritten, da eindeutig belegt. Schädlich sind laut gängiger Ansicht aber auch Kaffeetrinken, Alkohol, Fleischessen, Extremsportarten und übermäßige Aufregung durch überlange AoE-Spiele etc pp. Dies ist schon weniger gut belegt. Aber Politiker, die Gesetze beschließen, zeichnen sich nicht unbedingt durch profunde Kenntnisse in Fachfragen aus. In der Regel verlässt sich eine Fraktion beim Abstimmungsverhalten auf die Expertise ihres jeweiligen fachpolitischen Sprechers und wenn es sich um die Mehrheitsfraktion handelt, hängt ein Gesetz oft von einem einzigen Menschen ab – und wenn der Vegetarier aus Überzeugung ist, was dann?

    Nun werden die Anti-Raucher-Gesetze wohlweislich nicht mit dem Schutz der Raucher vor sich selbst, sondern mit dem Schutz Dritter (Nichtraucher) begründet. Das Problem ist bloß: Es läuft auf das Gleiche hinaus – der Staat diktiert dem Individuum seinen Lebensstil. Und dass es im Fall der Anti-Raucher-Gesetze nicht beim Besuch von Kneipen und öffentlichen Einrichtungen bleiben wird, ist ziemlich klar.

    Und was den gesellschaftlichen Schaden, das verletzte Rechtsgut Dritter betrifft: Entgegen landläufiger Meinung sind weder die Folgen von Passivrauchen (außer im Falle von Schwangerschaften) sicher belegt, noch stimmt es, dass den Krankenkassen (und damit allen Beitragszahlern) durch Raucher höhere Kosten entstehen. Im letzteren Fall trifft wegen der niedrigeren Raucher-Lebenserwartung (die ist aber die individuelle Entscheidung des Rauchers) sogar das Gegenteil zu.

    Nun wird der Nichtraucher sagen: Ist ja alles theoretisch gut und schön, trotzdem stört mich der Qualm. Das aber sollte man wegen der hohen Wertigkeit der Freiheit doch lieber durch pragmatische Lösungen statt staatliche Ver- und Gebote angehen. Ich für meinen Fall frage grundsätzlich in geschlossenen Räumen oder engen Gegebenheiten mein Gegenüber, ob es ihn oder sie stört, wenn ich rauche. Auch verzichte ich darauf, selbst daheim zu rauchen, wenn ich Kinder zu Besuch habe. Zudem wäre ich mit Regelungen einverstanden, das Rauchen zum Beispiel während der typischen Essenszeiten in Restaurants zu untersagen und könnte mich mit weiteren pragmatischen Lösungen anfreunden.

    Derzeit aber ist eine regelrechte Treibjagd auf Raucher im Gange, Nichtraucher und Politiker suchen mit nahezu missionarischen Eifer nach immer neuen Möglichkeiten, die Raucher zu isolieren, ihnen das Leben schwer zu machen bis hin zur Political Correctness in Hollywood, wo teils sogar alte Filme bei Neueditionen dahingehend verstümmelt werden, dass Rauchen und jede Andeutung darauf herausgeschnitten werden. Das nenne ich nur noch hysterisch.

    Heiko (also called The dnnRauchmonster)

    1. Ich als aktiver Passivraucher, kann mich deinen freiheitlichen Gedanken nur anschließen. Interessieren würde mich aber noch, was du darüber denkst, wenn Zigaretten auf einmal nachweislich nicht mehr für Passivraucher schädlich wären. Würde man dann diese Debatte weiter führen? Oder würde sich unser Verhältnis zum Rauchen ändern?

  2. Eine nette Ausführung und viele Gedankend davon teile ich auch.
    @Ronny solche Sachen gibts doch schon:zum Beispiel
    Son Ding hat mein Freund und wir wurden letztens sowohl in einem Café(draussen) als auch in einem Club von Leuten dumm angelabert. Selbst nach Aufklärung des Sachverhaltes, war es scheinbar nicht gewünscht. Verschiedene Fluggesellschaften versuchen hier auch schon Regeln zu bringen, das unschädliche Zigaretten nicht "geraucht" werden dürfen. Wahrscheinlich geht es wie bei vielen Dingen immer ums Prinzip und nicht um die Gesundheit 😉

    Lg
    Rick

    1. @Rick: Danke für den Hinweis, der für viele interessant sein könnte. Denn dass es seit Jahrzehnten Zigaretten gibt, die kein Nikotin (aber immer noch wenig Teer) enthalten, wissen leider nur die Wenigsten (wer sich für das Thema interessiert sollte mal nach NTB Zigaretten suchen). Der Nachteil dieser Zigaretten besteht aber darin, sie riechen wie ein Joint. Dies ist zwar lustig, trägt aber nicht gerade dazu bei, das Vertrauen des Gegenübers zu gewinnen.

      Ich versetz mich dazu mal in die Lage desjenigen, dem erklärt wird, dass die Zigarette die man gerade raucht, nicht schädlich ist. Ich würde es nicht glauben. Warum? Weil ich täglich höre, das Zigaretten gesundheitsschädlich sind. Gut zu vergleichen mit Hanf, von dem wir heute auch nur noch wissen, dass man das Zeug rauchen sollte um „high“ zu werden.

  3. Bei Rauchern stelle ich mir immer eine Frage: Angenommen sie hätten Kinder. Würden Sie wollen, dass es auch Raucher werden, oder lieber Nichtraucher, oder ist es ihnen egal.

    Bei aller Freiheitsliebe kann es darauf nur eine vernünftige Antwort geben, alles andere ist beim besten Willen und aller Liebe zur Freiheit des Individuums einfach nur reichlich albern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.