Nukleare Bedrohung aus Teheran?

Der erste Juli 1968 war ein geschichtsträchtiges Datum. Damals unterzeichneten die drei Großmächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion den Atomwaffensperrvertrag, ein Vertrag der die komplette Abrüstung von Atomwaffen als Ziel vorsah und den sonstigen Staaten die diesem Vertrag beitraten untersagte, Atomwaffen herzustellen. Bis 2003 ratifizierten alle Staaten den Vertrag, bis auf Israel, Pakistan und Indien. Im selben Jahr verließ Nordkorea das Bündnis. Kurz darauf gab Pjöngjang bekannt, einen erfolgreichen Atomtest durchgeführt zu haben. An diesem kurzen Rückblick erkennt man sehr schnell, um was sich der Streit mit dem Iran dreht. Doch welche Gefahr könnte wirklich von Teheran ausgehen? –  Eine Betrachtung der Ereignisse.

Der Streit mit Teheran ist im eigentlichen Sinne kein Streit um Atomwaffen, sondern ein Streit um die Erfüllung eines Vertrags, von dem einige Staaten glauben, der Iran erfülle diesen Vertrag nicht. Laut den offiziellen Angaben arbeitet der Iran an der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Dies ist laut dem Vertrag auch möglich und gewollt. Zur Nutzung der Atomenergie wird jedoch angereichertes Uran benötigt. Der Iran besitzt von solchen Anreicherungsanlagen in der Zwischenzeit zwei Stück. Mit diesen Anlagen könnte man das Uran auf zwanzig Prozent anreichern, was für die industrielle Verwendung ausreichen würde. Der Iran setzt dabei auf das Gaszentrifugenverfahren, mit dem es theoretisch auch möglich wäre, waffenfähiges Uran herzustellen. Allerdings würde man dafür eine Anlage benötigen, die mindestens 85prozentig angereichertes Uran produzieren könnte. Soweit man diese Fakten kennt, dürfte eigentlich bisher keine Gefahr vom Iran ausgehen, da das Land noch weit von dem Punkt entfernt ist, Atomwaffen herzustellen. Warum wird dann so viel Dreck um dieses Thema aufgewirbelt?

Der zweite Punkt den man ebenfalls näher betrachten sollte, sind die Länder, welche dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten sind. Indien und Pakistan zählen seit längerem bereits als Atommacht und traten dem Vertrag wahrscheinlich bisher nur aus einen Grund nicht bei, aus Furcht vor einem nuklearen Angriff des Nachbarlands, denn beide Länder sind seit der Trennung nach der britischen Kolonialzeit, aufs Schärfste miteinander verfeindet. Warum Israel dem Vertrag bisher nicht beigetreten ist, kann man nur spekulativ betrachten. Einige vermuten das Israel bereits über Atomwaffen verfügt, dies jedoch offiziell nicht bestätigen möchte. Ein Dementi dieser Aussage existiert im Übrigen bisher auch nicht. Sicherlich will sich Israel die Möglichkeit offen halten, einen Angriff auf ihr Land, mit Nuklearwaffen zu beantworten. Doch dies ist nur eine Vermutung. Wie einfach man jedoch zur Atommacht aufsteigen kann, zeigt das Beispiel Nordkorea. Trotz dem Ausstieg aus dem Vertrag im Jahr 2003, gab es bis auf die üblichen Sanktionen kein weiteres Säbelrasseln durch die internationale Gemeinschaft. Wieso steht also der Iran im Fokus und bei diesem Land wird sogar mit dem Einsatz von Waffengewalt gedroht?

Dem Iran wird derzeit vorgeworfen gegen den Vertrag zu verstoßen. Durch den Pakistaner Abdul Qadir Khan, der als Vater der pakistanischen Atombombe gilt, soll der Iran Pläne zum Bau einer Atombombe erhalten haben. Dies wurde von der pakistanischen Regierung bestätigt. Zudem besitzt das Land das zweitgrößte Vorkommen an Erdgas und umfangreiche Erdölvorkommen, so dass nach Ansicht der USA ein Atomprogramm nicht sinnvoll erscheint. Jedoch sieht der Atomwaffensperrvertrag keine Klausel vor, die es einem Land verbietet an der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu forschen, auch dann nicht, wenn in absehbarer Zeit keine Energieprobleme auftreten Würden. Ein weiterer Streitpunkt ist zudem die noch nicht erfolgte Ratifizierung einer Zusatzvereinbarung des Atomwaffensperrvertrags, der es Inspektoren erlaubt, Atomanlagen in den jeweiligen Mitgliedsländern zu besichtigen.

Betrachtet man diese drei Punkte im Zusammenhang, kommt man vorerst zu einem Ergebnis. Derzeit geht von Teheran keine atomare Bedrohung aus. Selbst wenn der Iran bereits über Atomwaffen verfügen würde, wäre der Einsatz dieser Waffen immer noch fraglich, da die Anzahl der nuklearen Sprengköpfe nicht im gleichen Verhältnis zu den bereits existierenden Atomwaffen der Atommächte steht. Somit käme jeder Einsatz von nur einer Bombe, einer Selbstzerstörung gleich. Zudem ist der Iran bisher noch nicht aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgestiegen, ein weiteres Indiz für das Nichtvorhandensein von Atomwaffen. Würde Teheran kurz vor der Vollendung der ersten Atombombe stehen, wäre die logische Schlussfolgerung der Austritt aus dem Vertrag, nach dem Vorbild von Nordkorea. Doch diese Aktion würde ebenfalls noch keinen Einsatz der Waffe bedeuten. Es stellt sich somit ernsthaft die Frage, was das Säbelrasseln letztendlich bedeutet und ob die angeführten Vorwürfe vielleicht nur ein Versuch sind, einen militärischen Konflikt zu provozieren. Sollte es zu einem Waffeneinsatz kommen, würde sich die zudem die Frage stellen, wer der Aggressor nach humanen Gesichtpunkten gewesen ist. Letztendlich bleibt nur die Hoffnung auf den Sieg der Vernunft, statt einem Krieg aus fadenscheinigen Gründen, wie er zuletzt im Irak initiiert wurde und immer noch andauert.

Quellen: Wikipedia: (Atomprogramm Iran, Atomwaffensperrvertrag, Uran Anreicherung), Spiegel Online, Auswärtiges Amt

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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