Benötigen wir eine neue Gesellschaftsform mit Ober- und Untergrenzen für Besitz?

Die Unruhen und Umstürze in den arabischen Ländern führen uns wieder einmal eins vor Augen. Irgend etwas stimmt nicht mit dem menschlichen Zusammenleben auf unseren Planeten. Denn wenn Menschen zufrieden und glücklich wären, würden solche Konflikte der Vergangenheit angehören. Jetzt kann man natürlich mit erhobenem Zeigefinger darauf hinweisen, bei den meisten dieser Regimes in den arabischen Ländern handelt es sich um Diktaturen, weswegen sich das Volk einen Umsturz herbeisehnt. Doch ich denke, so einfach ist es nicht. Denn auch hierzulande spürt man immer mehr die Ungerechtigkeiten, die sich ausbreiten. Und von einer Diktatur kann man in der BRD nun wahrlich nicht sprechen.

Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, sind die Gründe für viele Konflikte in der ungerechten Verteilung der vorhandenen Güter zu finden. Kriege wurde vom Zaun gebrochen, weil Fürsten neidvoll auf Besitztümer anderer Fürsten blickten. Selbst im Kleinen kann man dies beobachten, wenn mal wieder ein Bekannter voller Neid über das tolle Auto des Nachbarn berichtet. Sind wir als Menschen wirklich so einfach gestrickt, dass wir immer nur den Wert Anderer an dessen Besitz messen? Dieses Anhäufen von Besitztümern erreichte seinen Höhepunkt in den letzten hundert Jahren. Die industrielle Revolution ermöglichte einem Großteil der Menschheit, sich Dinge zu zulegen, von denen man früher nur träumen konnte. Die Sorge um reichlich Nahrung und einem Dach über dem Kopf kennen wir schon lange nicht mehr. Und trotzdem sammeln wir immer weiter Dinge, als ob morgen der Weltuntergang bevorstehen würde. Haben wir als Menschen der Moderne verlernt uns auf das Wesentliche zu konzentrieren?

Wenn man sich mit Menschen unterhält, die einen schweren Schicksalsschlag in ihrem Leben erlitten haben, erlebt man eine ganz andere Art von Menschen. Die meisten dieser Menschen leben bescheidener und konzentrieren sich auf die wesentlichen Dinge im Leben. In diesen Gesprächen geht es auf einmal nicht mehr darum, welche schönen Sachen man sich in den letzten Wochen zulegte, sondern man erfährt, wie diese Menschen versuchen ihren Weg zu gehen. Sie beginnen damit sich zu verwirklichen und ihre Zeit, die ihnen auf diesen Planeten bleibt, effektiv zu nutzen. Diesen Menschen muss ich selten eine Frage stellen, die ich gerne denjenigen stelle, die mir nur über ihre neusten käuflichen Errungenschaften berichten. Ich muss sie nicht fragen was sie machen würden, wenn sie 1.000 Euro monatlich zur Verfügung hätten, die garantiert jeden Monat kommen und an keine Bedingungen geknüpft wären.

Mit dieser Frage erreiche ich meistens eins. Die Menschen, mit denen ich mich unterhalte, beginnen auf einmal damit, mir von ihren tiefsten Wünschen zu erzählen. Meistens handelt es sich dabei immer um eine Idee, die ihnen schon lange vorschwebt und mit der sie sich selber verwirklichen wollen. Doch wenn man sich als Mensch mit so wenig zufrieden geben kann, wieso gieren wir dann immer nach mehr? Ich bin der Meinung, dies liegt an den mangelnden Grenzen, welche wir uns selber als Gemeinschaft setzen. Sehr gut kann man dies bei Kindern beobachten, die täglich exzessiv ihre Grenzen austesten. Gibt man einem Kind einen Beutel mit Süßigkeiten, wird das Kind solange die Süßigkeiten essen bis der Beutel leer ist oder das Kind Bauschmerzen bekommt. Das Kind erreichte eine natürliche Grenze. Meistens wird das Erreichen des letzten Zustandes aber durch die Eltern verhindert, da diese dem Kind zuvor eine Grenze setzen.

Als Erwachsene haben wir es da um einiges schwerer. Nahezu grenzenlos können wir uns durch das Leben bewegen und uns exzessiv austoben. Dies bezeichnen wir als Freiheit. Und dies ist auch gut so. Aber dort, wo diese Freiheit, die Freiheit und den Bewegungsdrang anderer Menschen einschränken, stoßen wir an Grenzen. Ein Beispiel dafür ist Mord, welcher gesellschaftlich geächtet ist und bestraft wird. Doch beim Besitz existieren diese Grenzen nicht. Dabei gibt es von Grund auf, wie bei der Tüte mit Süßigkeiten, natürliche Grenze, die wir nicht überschreiten können. Dazu ein weiteres Beispiel. Die derzeit verfügbare Goldmenge auf unserem Planeten beträgt rund 166.000 Tonnen. Dies bedeutet pro Mensch könnte jeder maximal 23,71 Gramm Gold besitzen. Zum Vergleich: eine Unze Gold wiegt 28,35 Gramm. Die derzeitige Goldförderung deckt den Bedarf an neu hinzukommenden Menschen jedoch nicht ab, weswegen das Pro Kopf Gewicht von Gold zukünftig weiter sinken wird. Es existiert somit eine natürliche Grenze, die nicht durchbrochen werden kann.

Wenn jetzt aber jemand einen Großteil des Goldes besitzt und dieses nur gegen erheblichen Widerstand oder einem hohen Tribut an die Gemeinschaft herausgibt, weil das Gold zum Beispiel zur Herstellung lebensnotwendiger Dinge benötigt wird, dann schädigt das Verhalten dieses Einzelnen die Gemeinschaft. Jetzt könnte man behaupten Gold ist nicht lebensnotwendig, doch würde dies schnell von Menschen dementiert werden, die in Bereichen der Elektronik, Optik oder Medizin arbeiten. Schließlich könnte man mit einer exzessiven Goldhortung die Preise für Computer in die Höhe schießen lassen.

Ein weiteres Beispiel ist unser Planet selber, also in erster Linie die Landmasse auf der wir leben können. Diese beträgt heute rund 148,9 Millionen Quadratkilometer. Pro Kopf würde dies bedeuten, jedem Menschen steht eine Fläche von rund 213 mal 213 Metern zur Verfügung. Zieht man jetzt aber noch die Antarktis ab, wo keiner wohnen kann, würde dieser Anteil auf 194 mal 194 Quadratmeter schrumpfen. Dies entspricht einer Fläche von rund fünf Fußballfeldern. Allerdings hätten dann alle anderen Landlebewesen auf unseren Planeten keinen Platz mehr zur Verfügung. Auch existiert somit eine natürliche Grenze, die aber durch Besitznahme zu Ungunsten der Gemeinschaft verschoben werden kann.

Ich komme noch einmal zurück auf meine Einleitung. Bei den derzeitigen Umwälzungen in den arabischen Ländern hört man immer wieder eins. Das Vermögen der Herrscher beträgt ein Vielfaches von dem, was der Bevölkerung zur Verfügung steht. Dieses Vermögen soll eingefroren werden oder die Herrscher versuchen das Vermögen in sichere Kanäle zu leiten. Haben wir hier nicht ein konkretes Beispiel dafür was geschieht, wenn wir Menschen grenzenlos agieren lassen? Ich denke, wir sollten als Gemeinschaft damit beginnen, diese Grenzen festzusetzen, zum Wohle aller. Wir sollten damit beginnen darüber zu diskutieren, wo diese Grenzen beginnen und wo sie enden. Dass dies keine neue Forderung ist zeigt auch eine Studie vom Institut für angewandte Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2007, die sich mit dem Thema der Entwicklung von Managergehältern (Link zum Dokument existiert nicht mehr) beschäftigte.

Links: wikipedia.org/Spielfeld, wikipedia.org/Weltbevölkerung, wikipedia.org/Erdoberfläche, wikipedia.org/Gold

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

Ein Gedanke zu „Benötigen wir eine neue Gesellschaftsform mit Ober- und Untergrenzen für Besitz?“

  1. interessanter Artikel 🙂

    Die Ursache für diese ungerechte Verteilung des Wohlstands ist vor allem auch die ungerechte Verteilung der Macht.

    Je mehr Macht wir haben, desto mehr können wir auch unser Leben eigenes beeinflussen.

    Meine Lösung für eine friedliche Gesellschaft in der man sich wohlfühlen kann, lautet:

    “Nimm deine Macht in Anspruch und hilf so, die heute bei Wenigen konzentrierte Macht, auf die Vielen zu verteilen !”

    1. Mach das, was du liebst, im besten Fall mit denen, die du liebst

    2.Fordere dein Mitspracherecht im Rahmen einer direkten Demokratie

    3. Hilf aktiv mit, daß alle Organisationen und Institutionen, so gut es geht, im Rahmen von Netzwerken anstatt Hierarchien geführt werden

    hier beschreibe ich das Ganze genauer:
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/302

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