Naziaufmarsch in Dresden oder wie man mich an meine Bürgerpflicht erinnerte

Ich gebe zu, das letzte Mal war ich vor rund 25 Jahren auf einer Gedenkveranstaltung zum 13. Februar. Die Naziaufmärsche die seit der Wende unsere Stadt erlebte, hielten mich davon ab an dieser Gedenkveranstaltung teil zu nehmen. Doch als man im letzten Jahr den Aufmarsch von Nazis in unserer Stadt unterband, erfüllte mich dies mit einem gewissen Stolz.

Doch wenn mir nicht eben ein netter Flyer in den Briefkasten geflattert wäre, hätte ich den morgigen Tag auch in diesem Jahr wieder verpennt. Doch dies kann sich jetzt ändern. Und dafür danke ich noch einmal Demjenigen der in Namen der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ den besagten Flyer bei mir in den Briefkasten einwarf. Danke, danke, danke. Wie schön dass man daran erinnert wird, was Bürgerpflicht bedeutet. Ob ich mich jedoch den Aufforderungen des Flyers unterziehe, steht dabei auf einem anderen Blatt geschrieben.

Aber zum Glück erhielt ich über den Flyer auch gleich alle relevanten Informationen, die wichtig sind, wenn man seiner Bürgerpflicht nachkommen und einen Naziaufmarsch begutachten möchte (oder was man sonst mit Naziaufmärschen so macht 😉 Für diejenigen, die nicht das Glück hatten mit informativen Botschaften versorgt zu werden, hier die Zusammenfassung des Flyers:

Die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ ruft alle Blockierer (gibt’s das Wort überhaupt oder heiß dies nicht Blockierenden?) dazu auf, sich nicht an einer Blockade gegen den „Trauermarsch“ zu beteiligen. Die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ weist zusätzlich darauf hin, sie befinden sich im Recht und dürfen marschieren. (hat ja auch keiner das Gegenteil behauptet). Zudem verweisen sie auf ein Urteil, durch welches ihnen das Recht auf den „Trauermarsch“ zugesprochen wird. (da fällt mir doch glatt der Spruch ein: Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe)

Auf der Rückseite des Flyers werden zudem noch einmal alle Politiker aufgelistet, gegen die derzeit durch den Rechtsanwalt Ingmar Knop Strafanzeige erstattet wurde. Abschließend wird noch einmal auf die Rechtsmäßigkeit des „Trauermarsches“ mit folgenden Worten hingewiesen. Zitat: „Der 13.Februar 2011 wird es zeigen, ob in Dresden Recht und Gesetz gelten oder Willkür und Chaos verursacht durch verantwortungslose profilierungssüchtige Politiker und linkes Chaotentum. (das Wort Chaotentum kennt mein Duden im Übrigen auch nicht. Müsste bestimmt linke Chaoten heißen, aber was soll’s.)

Bei soviel Rechtswissen stellte ich mir natürlich gleich die Frage, wer sich da so gut auskennt? Ein Blick in das Impressum auf der Webseite der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ enttäuschte mich jedoch im umfangreichen Maße. Bis auf ein Postfach und eine E-Mail Adresse fand ich keine weiteren Angaben. Moment mal, gibt es in Deutschland nicht eine Impressumspflicht für alle Webseiten, außer sie sind rein privater Natur? Und soweit mir dies geläufig ist, soll dieses Impressum auf einem klaren Ansprechpartner hinweisen. Ein Postfach ist aber meiner Meinung nach kein klarer Ansprechpartner. Und sämtliche weitere Daten wie Telefonnummer oder Adresse, fehlten schließlich ebenfalls. Versteckt sich hier jemand, weil er die Auseinandersetzung mit Kritikern befürchtet? Ich würde darüber gerne mehr erfahren, aber ich denke, eine sachliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Gedankengut werde ich hier nicht finden.

flyer-pro-naziaufmarsch-dresden-01
flyer-pro-naziaufmarsch-dresden-02

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.