Wie man die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden kann

Während Europa ein Rettungspaket nach dem anderen verabschiedet, stellen sich immer mehr Menschen die Frage, was kann die Lösung unserer derzeitigen Probleme sein. Die Einen sind der Meinung man muss nur die Banken bestrafen und danach wäre alles wieder in Ordnung. Die anderen glauben, wenn man den Euro abschaffen würde, würde sich das Problem von alleine lösen. Ein paar Wenige sind der Meinung der Zinseszins ist das eigentliche Übel. Alle Ansätze sagen jedoch eins immer wieder aus, irgendetwas stimmt mit unserem System nicht. Doch wie könnte man diese Probleme lösen?

Jean-Jacques Rousseau – Der Gesellschaftsvertrag von 1762

In einem Buch bin ich vor kurzem auf ähnliche Gedanken gestoßen, die mir seit ein paar Monaten durch den Kopf schwirren. Das Buch stammt von Jean Jacques Rousseau aus dem Jahr 1762 und heißt „Der Gesellschaftsvertrag“. In diesem wird unter anderem auch darauf eingegangen, was Auslöser für Probleme in Gesellschaften sind. Hierzu zitiere ich zwei Stellen:

„In Wahrheit sind die Gesetze immer nur für diejenigen wohltätig, die etwas besitzen, und den Besitzlosen schädlich, woraus folgt, dass den Menschen der gesellschaftliche Zustand nur solange vorteilhaft ist, als jeder etwas und keiner zu viel hat.“ 9.Kapitel – Vom Gemeingut

„Will man dem Staate Bestand verleihen, so muss man also die äußersten Endpunkte einander möglichst nähern: man darf weder zu Reiche noch Bettler dulden. Diese beiden von Natur aus untrennbaren Stände sind dem Gemeinwohl in gleicher Weise verhängnisvoll; aus dem einen gehen die Beförderer der Tyrannei und aus dem anderen die Tyrannen hervor; zwischen ihnen findet regelmäßig der Verkauf der öffentlichen Freiheit statt: der eine kauft und der andere verkauft sie.“ 11.Kapitel – Von den verschiedenen Systemen der Gesetzgebung

Armut in-Irland-bettler vor der Bank of Irland

Unbegrenztes Wachstum ist schädlich für jeden Organismus

Was Jean Jacques Rousseau anspricht ist eine in unserer Gesellschaft längst überfällige Debatte, mit der gerade begonnen wird, diese zu diskutieren, das Schaffen von natürlichen Wachstumsgrenzen. Bisher war diese Debatte nicht notwendig, da die Menschheit sich scheinbar unbegrenzt ausdehnen konnte. Doch mit dem übermäßigen Bevölkerungswachstum und den ausufernden Auswirkungen des Kapitalismus, beginnen viele Menschen umzudenken und sich zu fragen, wo sind die Grenzen.

Was für unseren Planeten und damit auch unserer Umwelt gilt, gilt jedoch auch für die von Menschenhand geschaffenen Mittel. Ich spreche an dieser Stelle natürlich von Besitz, wie es auch Rousseau bereits angesprochen hat. Im speziellen von übermäßigen Besitz, fern ab von jeglicher Vernunft. Doch wo beginnen und wo enden diese Grenzen der Vernunft? Wie viel darf ein Mensch besitzen, ohne dabei die Gemeinschaft zu schädigen? Überschreitet man mit dem Besitz von drei Autos bei einer zweiköpfigen Familie bereits diese Grenze? Oder ist der Besitz von einer Million Euro nur für den Besitzer der Million nützlich und ansonsten schadhaft für die Gesellschaft? Diese Grenzen festzulegen wird die Aufgabe kommender Generationen sein. Unsere heutige Aufgabe besteht jedoch darin, die gesellschaftliche Grundlage dafür zu schaffen, jegliche Grenzen festsetzen zu dürfen, die gesellschaftlich vertretbar sind, ohne die Freiheit des Einzelnen zu stark zu beschneiden.

Gesellschaftliche Grenzen gibt es auch heute schon zur Genüge

Glaubt man jetzt, mit diesen Ideen würde man den Sozialismus wieder herauf beschwören, so gebe ich zu bedenken, viele Grenzen existieren bereits heute. Einen Mörder versucht man auch heute bereits in seine Schranken zu weisen und lässt diesen nicht weiter lustig morden. Oder Betrug, der sobald er mehrfach von einem Menschen angewandt wird, ebenfalls zur Verurteilung führen kann. Grenzen existieren, doch dienen sie heute nur im Kleinen dazu, die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Denn solange solche Situationen eintreten können, wie sie heute durch das Finanzsystem verursacht wurden, fehlt unserer Gesellschaft noch die wichtigste Grenze. Die Vernunft, die Kluft zwischen Arm und Reich nicht allzu groß werden zu lassen.

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Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

2 Gedanken zu „Wie man die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden kann“

  1. Hi Ronny, Du implizierst mit deinen Suggestivfragen, dass es zum Beispiel per se schädlich sei, wenn jemand Millionär ist – eine sehr gewagte De-Facto-Behauptung! Auch solltest Du bedenken, wann und in welcher Situation Rousseau seinen "Gesellschaftsvertrag" geschrieben hat: Im Frankreich in der Phase des Absolutismus, als die Unterschiede zwischen Arm und Reich extrem groß waren. Die sogenannte "soziale Marktwirtschaft", die Erhard in der Bundesrepublik propagierte, war ja nicht nur als Gegenkonzept zum Sowjetsozialismus der DDR gedacht, sondern auch ein Glied in einer langen Kette von Überlegungen, eben diese langbeklagte extreme Schere zwischen Arm und Reich – die sich in der Weimarer Republik so übel auswirkte – zu beseitigen. Insofern hat sich das rad der Zeit seit Rousseau längst weitergedreht – und zwar nicht nur in der Wirtschaftstheorie, sondern in der Praxis: Die sozialen Sicherungssysteme, die seit Bismarck (da wiederum als Reflex auf die erstarkende Arbeitebewegung und Sozialdemokratie) entstanden, haben u. a. dazu geführt, dass heute niemand mehr verhungern muss, außer durch eigenes oder fremdes schuldhaftes Versagen. Dafür ist eine stabile Mittelschicht entstanden, die sich als Garant für ein stabiles demokratisches Staatswesen erwiesen haben. Dass das ein subotimales Staatswesen mit vielen Mängeln, mit Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen etc. ist, sei unbestritten. Aber besser der Spatz in der Hand… na du weißt schon.
    Auf einem ganz anderen Blatt steht, ob man sich amit abfinden muss, dass sich eine Bundesregierung von Börsen- und Devisenkursen treiben lassen sollte, ob eine stärkere Reglementierung der Banken (und vor allem der Leergeschäfte an den Börsen)sinnvoll wäre.
    Was Du hingegen nahelegst, ist de facto eine Einkommensnivellierung hin zu einem Punkt, dass jeder nahezu gleich viel hat. Dieser Idee hingen die ersten Kommunisten und – mit Abstrichen – auch die "Realsozialisten" an. Hat das funktioniert? Die Antwort darauf ist (auch jenseits aller stalinistischen Auswüchse): NEIN.
    Die Sowjetunion hat die Marktgesetze auszuhebeln versucht, die DDR genauso und die Menschen waren unzufrieden, nicht nur mit der politischen Unterdrückung, sondern auch mit verfallenen Mietshäusern in staatlich-kommunaler Hand, mit unzureichender Versorgungssituation, in der jede private Initiative politisch und durch 90%-Steuern abgewürgt wurde und und und. Auch Schwedens "Dritte Weg" klang verlockend – aber frag mal die Schweden, was sie heute vom "Volksheim"-Gedanken noch halten.

    Grüße

    Heiko

    1. Hallo Heiko,

      ich kann an dieser Stelle nur erneut betonen, als Verfechter der Marktwirtschaft, muss ich automatisch ein Gegner des ausufernden Kapitalismus sein. Warum? Die Folgen sehen wir derzeit sehr deutlich, wie du es bereits mit den Schwankungen der Börsen und Devisenkurse angesprochen hast. Die Frage die ich mir immer wieder stelle ist, wie kann ein Markt wie ein Markt funktionieren, wenn dieser von Extremen manipuliert wird? Darunter verstehe ich auch den massiven Einsatz von Kapital zu Schaffung von weiterem Kapital, auch wenn dies für den Markt nicht sinnvoll ist.

      Gibt es dafür Beispiele? Genügend. Ich möchte hier nur Zwei nennen. Derivate und leerstehende Häuser an den Küsten von Spanien (solche Gebiete gibt es aber auch anderswo, siehe Mexiko). Wem hat dies genützt? Nur denjenigen, die für die Schaffung dieser Dinge Geld erhalten haben. In einem funktionierenden Markt hätten diese Dinge in diesen Dimensionen keine Chance gehabt.

      Wo liegt also unser Problem? Darin dass wir einer Idee nachrennen die vielleicht auch gescheitert ist, wie die Idee des real existierenden Sozialismus? Oder weil wir nicht verstehen, dass Auswüchse jeglicher Natur schadhaft sind, egal ob dies Sozialismus, Kapitalismus, Marktwirtschaft oder Planwirtschaft ist? Jedes dieser Systeme hat(te) etwas Gutes. Sollten wir nicht damit beginnen uns auf die Vorteile zu konzentrieren und die Nachteile des einen Systems gegen die Vorteile eines anderen Systems zu ersetzen? Wie dies dann heißen wird, ist mir Wurscht. Aber mein Namensvorschlag wäre Sokamapladie.

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