Das Internet ist an allem Schuld

Ob Heavy Metal Musik, Killerspiele oder Facebook, wenn die Jugend die Autorität von Erwachsenen in Frage stellt, wird etwas gesucht was an dieser Entwicklung schuldig ist. Dasselbe Phänomen sieht man bei gesellschaftlichen Veränderungen. Auch hier sucht man die Schuldigen in neuen Entdeckungen oder Erfindungen, durch die Menschen neue Möglichkeiten erhalten. Die Macher der Ausstellung Home – Willkommen im digitalen Leben haben in unserer Vergangenheit gesucht und ein paar Aussagen gefunden, bei denen man zum Teil problemlos den eigentlichen Begriff durch Begriffe wie Internet, Facebook, YouTube, Google, Social Community, Killerspiele, 3D Shooter oder Smartphone ersetzen kann, ohne dabei den Sinn zu verändern. Alles begann vor über 2.000 Jahren mit der Erfindung der Schrift.

Wer hat Schuld an unserer “schlechten” Welt

370 v Chr.

Die Schrift macht uns vergesslich

“Denn diese Erfindung wird der lernenden Seelen vielmehr Vergessenheit einflößen aus Vernachlässigung des Gedächtnisses, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von außen vermittels fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden. Nicht also für das Gedächtnis, sondern nur für die Erinnerung hast du ein Mittel erfunden,und von der Weisheit bringst du deinen Lehrlingen nur den Schein bei, nicht die Sache selbst. Denn indem sie nun vieles gehört haben ohne Unterricht, werden sie sich auch vielwissend zu sein dünken, da sie doch unwissend größtenteils sind, und schwer zu behandeln, nachdem sie scheinweise geworden statt weise.”

Sokrates in Platon: Phaidros, 370 v Chr.

1675

Die Zeitung lenkt uns vom Wichtigen ab

“Sie lechzen danach, täglich nach Neuem zu fragen, Neues zu hören, Neues zu erzählen. (…) Und tatsächlich sehen wir, dass Menschen jedes Standes und jeder Stellung an diesem Fehler leiden. (…) Ja einige sind so schrecklich neugierig und auf Neue Zeitungen so erpicht (…), dass sie sich nicht scheuen sie sogar in den Kirchen während der heiligen Handlungen zu lesen oder zu hören sowie in Amtsstuben bei noch wichtigeren Beschäftigungen.”

Ahasverus Fritsch: Discursus de Novellarum ( Diskurs über den heutigen Gebrauch und Missbrauch der Neuen Nachrichten, die man Neue Zeitungen nennt), Jena 1675

1821

Der Roman macht uns süchtig

“Die Lesesucht ist eine unmäßige Begierde, seinen eigenen, untätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer aus deren Schriften vorübergehend zu vergnügen. Man liest, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu lesen; man liest das Wahre und das Falsche prüfungslos durcheinander, ohne Wissbegier, sondern mit Neugier. Man liest und vergisst. Man gefällt sich in diesem behaglichen, geschäftigen Geistesmüßiggang, wie in einem träumenden Zustande.”

Heinrich Zschokke: Die Lesesucht. In: Stunden der Andacht zur Beförderung wahren Christentums und häuslicher Gottesverehrung, Band 5, Heinrich Remigius Sauerländer,
Aarua, 1821

1908

Das Groschenheftmacht macht uns gewalttätig

“Der Hauptreiz der Hefte besteht darin, dass geprügelt, gekämpft, geschossen oder sonst irgend etwas aufregendes, ja meist Verbrecherisches getan wird. (…) Die Kinder verschlingen die Hefte förmlich und merken nicht, wie übertrieben,wie unmöglich, wie verlogen die >Geschichten< sind.
(…) Die Phantasie der Kinder wird überreizt, der Sinn für Wirklichkeit und Wahrheit zerstört. Ihr Geschmack wird verdorben. Die Kinder werden unfähig zum Genuss guter Bücher. Sie werden zerfahren, arbeitsunlustig. Ihr innerer Sinn verwildert. Ja, in manchen Fällen werden sie roh und brutal. (…) Wie manchen schwachen Charakter hat das Lesen dieser elenden Machwerke auf die Bahn des Verbrechens getrieben.”

Flugblatt der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens, Hamburg, 1908

1909

Das Kino macht uns unglücklich

“Die Kinder (…) leben in einer ganz anderen Welt. Die wirkliche Welt der einfachen Menschen, der nüchternen Tatsachen und der gewöhnlichen Pflichten kommt ihnen banal vor. Durch die geschminkte parfümierte Welt ihrer Gedanken verekeln und verleiden sie sich diese Welt und gehen schließlich als unverstandene, unglückliche Menschen durchs Leben. Wer sich an all dies Zeugs gewöhnt hat, findet sich in dieser Welt überhaupt nicht mehr zurecht oder erst nach langen Umwegen, nachdem er ein schweres Lehrgeld hat zahlen müssen. (…) Das ist nun einmal keine Ausrüstung fürs Leben, wenn man die Gedanken unserer Jugend mit Dolch und Gift, mit Strick und Dietrich ausrüstet.”

Hermann Schachenmann: Detektivroman und Kinomatographen, Bern, 1909

1930

Der Rundfunk macht uns denkfaul

“Der Genuss des Rundfunks ist auch bei größter Denkfaulheit und Phantasiearmut möglich. Die Anspannung der Geisteskräfte wird durch den Rundfunk mehr vermindert als gefördert.”

Leopold von Wiese: Die Auswirkung des Rundfunks auf die soziologische Struktur unserer Zeit, Köln, 1930

1955

Die Comics töten unsere Phantasie

“Die Bilderreihen der Comics dagegen töten die Phantasie, da sie jede einzelne Bildphase eines längeren Handlungsablaufs wiedergeben und den produktiven Anlagen des Beschauers keinen Raum mehr lassen. Sie drücken das des Lesens bereits kundige Kind mit Gewalt auf die primitve Stufe des vorschulischen Kleinkindes herab und gewöhnen es an das bequeme Mittel des Nur-Schauens, des wahllosen Aufnehmens von Bildern. Die Eltern wissen nicht, was sie ihren Kindern antun, wenn sie ihnen die primitiven, in schreienden Farben gehaltenen Bambino- und Mickeymaus-Hefte in die Hand drücken, um sie zu beschäftigen.”

Wilhelm Hoppe: Schluss mit den Comics! Gegen diese geistige und seelische Bedrohung der Jugend müssen entscheidende Maßnahmen ergriffen werden. In Kulturarbeit 8, Nr. 5 1955

1979

Das Fernsehen unterzieht uns einer Gehirnwäsche

“ Das Fernsehen eignet sich zur Gehirnwäsche. (…)
Es macht die Zuschauer immer unfähiger, das Wirkliche vom Nichtwirklichen, das Innen vom Außen, Selbsterfahrenes von Eingetrichtertem zu unterscheiden. es bringt den zeit-, Orts- und Geschichtssinn durcheinander – und das Gefühl für natürliche Zusammenhänge.”

Jerry Mandar: Schafft das Fernsehen ab! Eine Streitschrift gegen das Leben aus zweiter Hand.
Reinbek bei Hamburg, 1979

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Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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