Inflation in Deutschland – Kaum Anstieg der Lebensmittelpreise in 2012

Das Gespenst der Inflation wird uns Bürgern in diesem Land immer gerne wieder aufgetischt. Man spricht von einer allgemeinen Inflation und meint damit einen Querschnitt, der auf die meisten Menschen hierzulande nicht zutrifft. Ich stelle bereits seit längerem die Berechnungsgrundlagen für die Inflation lautstark in Frage. Denn was nützt mir ein virtueller Warenkorb, der für die Berechnung der Inflation herangezogen wird, wenn sich in diesem Produkte befinden, die ich aller Jubeljahre kaufe. Für mich zählen dagegen Dinge des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Lebensmittel. Steigen hier die Preise, bekomme ich dies sofort zu spüren. Deswegen vergleiche ich die Zahlen gerne im Abstand eines Jahres. Und diesmal fand ich heraus, die Preise sind bei Weitem nicht so gestiegen, wie man es erwartet hätte.

Anstieg der Lebensmittelpreise? – Kommt darauf an, wo man einkauft.

Im letzten Jahr erfasste ich in zwei Geschäften für ausgewählte Produkte die aktuellen Preise. Dies waren das Kaufland und der Konsum hier in Dresden. Dabei wählte ich Produkte aus, die es in beiden Geschäften, in gleicher Abpackung und vom selben Hersteller gab. Zudem bezog ich in die Auswertung das preiswerteste Produkt einer Kategorie mit ein, welches es in dem Geschäft in der entsprechenden Größe gab.

Dabei fiel mir in diesem Jahr eins sofort auf. Die Preise im Konsum sanken im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent. Im Kaufland stiegen die Preise dagegen im Durchschnitt um 2 Prozent. Hieran sieht man bereits, Inflation ist immer eine subjektive Betrachtung. Je nachdem in welchem Geschäft man einkauft, kann aus einer Inflation auch eine Deflation werden. Hinzu kommen auch noch regionale und saisonale Unterschiede.

Welche Preisänderungen gab es – Milchprodukte sind 2012 im Preis gesunken

Vor allem die Billigprodukte sind weiter im Preis gesunken. Dies betraf Milch, Butter, Eier und Kaffee. Bei den Markenprodukten hielten sich die Preise konstant oder es gab einen leichten Anstieg. Im Besondern bei Schokolade kann man seit Jahren einen kontinuierlichen Aufwärtstrend beobachten. Starke Schwankungen gab es auch bei den Wurstpreisen. Bei Salami stiegen die Preise in beiden Geschäften an, während Schinken im Kaufland im Preis konstant blieb und im Konsum sogar um über 30 Prozent im Preis sank.

2011 2012 2011 2012
Produkt Kaufland Dresden Kaufland Dresden Konsum Dresden Konsum Dresden
Nudeln – Spaghetti – billig – 500g 0,49 € 0,49 € 0,49 € 0,49 €
Nudeln – Spaghetti – Buitoni – 500g 1,19 € 1,19 € 1,39 € 1,39 €
Butter – billig – 250g 1,15 € 0,95 € 1,15 € 0,99 €
Butter – Kerrygold – 250g 1,49 € 1,49 € 1,69 € 1,59 €
Buttertoastbrot – billig – 500g 0,49 € 0,55 € 0,69 € 0,59 €
Buttertoastbrot – Harry – 500g 0,99 € 1,07 € 1,09 € 0,89 €
Schokolade – billig – 100g 0,35 € 0,39 € 0,39 € 0,39 €
Schokolade – Ritter Sport Vollmilch – 100g 0,79 € 0,85 € 0,85 € 0,89 €
Salami – billig – 200g 0,95 € 1,15 € 1,09 € 1,69 €
Schinken – billig – Hinterkochschinken – 200g 1,29 € 1,29 € 1,89 € 1,29 €
Schinken – Herta – Landschinken – 80g 1,39 € 1,49 € 1,69 € 1,59 €
2011 2012 2011 2012
Produkt Kaufland Dresden Kaufland Dresden Konsum Dresden Konsum Dresden
Äpfel – 1kg – Golden Delicious – billig 1,99 € 1,99 € 1,99 € 1,99 €
Bananen – 1kg – billig 0,99 € 1,15 € 1,99 € 1,89 €
Zwiebeln – 1kg – billig 0,59 € 0,99 € 0,99 € 0,65 €
Orangen – 1kg – billig 1,99 € 1,99 € 1,99 € 2,29 €
Konfitüre – billig – Erdbeere – 450g 0,99 € 0,99 € 0,89 € 0,99 €
Konfitüre – Schwartau Extra – Erdbeere – 340g 1,89 € 1,89 € 1,89 € 1,99 €
Milch – billig – 3,5% Fett – 1 Liter 0,60 € 0,51 € 0,60 € 0,51 €
Milch – Sachsenmilch – 3,5% Fett – 1 Liter 0,85 € 0,85 € 0,85 € 0,75 €
Kaffee – billig – 500g 3,79 € 3,29 € 3,79 € 3,29 €
Kaffee – Jacobs Krönung (grün) – 500g 4,99 € 5,49 € 5,99 € 5,49 €
Zucker – billig – Diamant 1kg 0,85 € 0,89 € 0,89 € 0,89 €
Salz – billig – Tafelsalz 500g 0,14 € 0,15 € 0,19 € 0,19 €
Eier – 10er Pack – billig – Bodenhaltung 1,29 € 1,09 € 1,79 € 1,39 €

 

Vergleich der Preise der Billigprodukte mit Aldi

In letztem Jahr bezeichnete ich das Kaufland als Discounter. Bei dieser Aussage wiedersprachen mir viele Leser. „Wenn man von einem Discounter spricht, muss man zu Aldi oder Lidl gehen“, so der allgemeine Tenor. Denn dort sollten die Preise noch um einiges günstiger sein. Aus diesem Grund stattete ich einer Aldi-Filiale ebenfalls einen Besuch ab. Hier konnte ich mich aber nur auf die Billigprodukte fokussieren, da man Markenprodukte nur in den seltensten Fällen erhält.

Beim Erfassen der Daten staunte ich nicht schlecht. Entgegen der Aussagen meiner Leser, konnte ich nur beim Obst einen Preisunterschied feststellen. Alle anderen Preise, der kontrollierten Produkte, entsprachen den preiswertesten Angeboten im Kaufland oder Konsum. Der Aldi ist somit nicht im Einzelnen, aber in der Summe günstiger.

Produkt Kaufland Dresden Konsum Dresden Aldi Dresden
Butter – billig – 250g 0,95 € 0,99 € 0,95 €
Buttertoastbrot – billig – 500g 0,55 € 0,59 € 0,55 €
Schokolade – billig – 100g 0,39 € 0,39 € 0,39 €
Salami – billig – 200g 1,15 € 1,69 € 1,15 €
Schinken – billig – Hinterkochschinken – 200g 1,29 € 1,29 € 1,29 €
Äpfel – 1kg – Golden Delicious – billig 1,99 € 1,99 € 1,49 €
Bananen – 1kg – billig 1,15 € 1,89 € 1,05 €
Konfitüre – billig – Erdbeere – 450g 0,99 € 0,99 € 0,99 €
Milch – billig – 3,5% Fett – 1 Liter 0,51 € 0,51 € 0,51 €
Kaffee – billig – 500g 3,29 € 3,29 € 3,29 €
Zucker – billig – Diamant 1kg 0,89 € 0,89 € 0,89 €
Salz – billig – Tafelsalz 500g 0,19 € 0,19 € 0,19 €
Eier – 10er Pack – billig – Bodenhaltung 1,09 € 1,39 € 1,09 €

 

Kleine Unterschiede im Preis – Große Unterschiede im Angebot

Zusammenfassend kann ich sagen, die Preisunterschiede in den einzelnen Geschäften sind nur marginal. Die wirklichen Unterschiede findet man dagegen im Angebot. Dies beginnt bei Verpackungsgrößen und den damit verbundenen Preisnachlässen aufgrund der Menge. Sowie in Alternativangeboten zu Markenprodukten. Miteinander vergleichen kann man diese Produkte aber nicht. Was man dagegen erfassen kann sind die Preisänderungen der jeweiligen Produkte, die man bevorzugt einkauft. Für die Berechnung der eigenen Inflation sollte man dies berücksichtigen.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

2 Gedanken zu „Inflation in Deutschland – Kaum Anstieg der Lebensmittelpreise in 2012“

  1. Sehr interessant Deine Aufstellung ! Vielen Dank, das Du Dir die Mühe machst !
    Mein persönliches Fazit des letzten Jahres: meine Einkäufe sind wesentlich teurer geworden. (Geschätzt 25 – 30 %). Dies hat allerdings nichts mit den Anbieterpreisen zu tun, sondern mit meinem persönlichen Kaufverhalten. Ich möchte mich nicht mehr selber mit “billigem Mist” abfüllen. Ich habe meine Ernährung erheblich umgestellt und achte auf hochwertige Produkte, die auch in für mich ethisch vertretbarer Art und Weise hergestellt werden. Natürlich achte ich auch noch auf Preise, fahre aber nicht 10 km um 10 ct an der Butter zu sparen. Ich unterstütze dann lieber den Tante Emma – Laden vor der Haustür und fühle mich als Kunde geschätzt und genieße den Service (in dem Falle die Beratung). Das ist es mir wert. Da verzichte ich lieber auf den 14. Pullover. Anziehen kann ich ja doch immer nur einen 😉

    1. Hallo Sandra,

      du sprichst einen weiteren interessanten Punkt an. Was ist wenn sich das persönliche Kaufverhalten ändert? Wie ändern sich dann die Ausgaben?

      Ich stelle ich mehr fest, die persönliche Preisentwicklung hat wenig gemein mit den allgemeinen Verkündungen. Zu viele Faktoren müsste man berücksichtigen, um eine allgemeine Aussage zu erhalten. Meiner Meinung nach ist dies aber einfach unmöglich.

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