Im Würgegriff unserer Denkstrukturen – Griechenland erhitzt die Gemüter

Liest man in der derzeitigen Berichterstattung über Griechenland zwischen den Zeilen, darf man sich berechtigterweise fragen, warum ein solcher Wirbel um einen Staatsbankrott gemacht wird. Was ist an einem Bankrott so schlimm, dass man einen ganzen Kontinent in seinem Bann zieht? Letztendlich geht es doch bei einem Bankrott immer nur um Geld und nicht mehr. Doch genau diesem Mysterium unterstellen wir eine ungeahnte Macht, die wir nicht zu spüren bekommen wollen.

Ich glaube nahezu jeder Mensch in Europa ist sich über die Wichtigkeit von Geld im Klaren. Wir benötigen dieses von Menschenhand erschaffene Mittel, um unsere täglichen Bedürfnisse befriedigen zu können. Dies beginnt mit dem Einkauf einfacher Nahrungsmittel und endet letztendlich bei der Notdurft und den damit verbunden Hilfsmitteln. Geld ist das Mittel, welches uns den Austausch von Waren vereinfachen soll. Und genau diesen Nutzen erfüllt es mehr oder weniger gut. Doch warum dann die Hysterie, wenn es darum geht, Geld anderen Menschen oder sogar Nationen zu schenken?

Ich denke im Grunde ist der Mensch ein Wesen, welches bereit ist zu helfen. Natürlich nur unter der Voraussetzung, einem geht es selber verhältnismäßig gut und er besitzt für die nahe Zukunft Sicherheiten. Nicht umsonst legen wir soviel Wert auf vermeintliche Garantien, wie zum Beispiel den Erhalt des Arbeitsplatzes oder auch dem Eheversprechen. Wir wollen Garantien, weil wir uns dann besser und sicherer fühlen. In unserem Inneren wissen wir jedoch, diese Garantie gibt es nicht. Einzig und allein die Garantie des Wertes des Geldes, war bisher eine der Garantien auf die wir zählen konnten. Doch mit der Debatte um den Zusammenbruch ganzer Staaten, erkennen wir, auch für diese Garantie gibt es keine Garantie.

Die Angst vor dem was jetzt kommt, lähmt viele von uns und während man zu Beginn sich noch in die Debatten einmischte, weicht diese Diskussionsfreude mehr einer Gleichgültigkeit nach dem Motto“ Was können wir schon dagegen unternehmen. Entscheiden tun dies Andere.“ Wir wählen mit dieser Überzeugung wie in vielen Fällen den Weg des geringsten Widerstandes. Entscheidet man nicht selber über sein Handeln, kann man anderen Menschen die Verantwortung für die entstandenen Folgen geben. Freiheit heißt leider nicht nur dann frei zu sein wenn es einem gerade passt, sondern auch dann für seine Freiheiten zu kämpfen wenn es einmal etwas unangenehmer wird.

Die Debatte um den bankrott von Griechenland ist für die Denkmuster vieler Menschen ein Paradebeispiel. Die Zusammenhänge erscheinen kompliziert und die Lösungen umso einfacher. Verstehen wir diese nicht, wählen wir den für uns am Logischsten erscheinenden Weg, auch wenn dies bedeutet aus den Fehlern unserer Vergangenheit nicht zu lernen. Da wundert es auch nicht, wenn man irgendwann immer Öfters die Aussagen hört „Früher war alles besser.“ War es dies wirklich?

Früher war früher und man lernte als junger Mensch die Welt kennen. Diese Erkenntnisse und dieses Wissen begleitet uns das gesamte Leben. Intuitiv können wir uns noch gut an diese Verwirrungen erinnern, die uns damals bewegten. Und heute? Erneut scheint nichts zu stimmen was wir gelernt haben. Wir müssen umdenken, uns neu informieren und umorientieren. Ein Prozess der mit Schmerz verbunden ist und Kraft benötigt. Dass was die letzten Jahrzehnte galt, besitzt auf einmal keine Gültigkeit mehr. Natürlich bereitet uns diese Vorstellung Angst und eigentlich wünschen wir uns nur den alten gewohnten Zustand zurück. Warum sollte auf einmal, dass was jahrelang funktionierte nicht mehr funktionieren? Diese Frage überfordert viele von uns.

Dabei ist die Antwort einfacher denn je. Nur weil wir den Blick für das Gesamte außer Acht ließen, konnten wir glauben, die von uns geschaffene Realität besitzt Allgemeingültigkeit. Dies ist zur vergleichen mit einem kleinen Riss in einem Staudamm. Zum Beginn merkt man nichts davon, dass Wasser in den Damm eindringt. Irgendwann tropft das erste Wasser auf der anderen Seite wieder heraus. Die Lösung für dieses Problem scheint einfach, denn ein paar Kleckse Zement könnten den Schaden beseitigen. Das eigentliche Problem des Eintrittes wird außer Acht gelassen und irgendwann findet das Wasser einen neuen Weg.

Mit unserem derzeitigen Geldsystem ist dies ähnlich. Anstatt die Ursachen zu bekämpfen, doktern wir an den Folgen herum. Wir versuchen eine Sache zu retten, um unseren vermeintlichen Ist-Zustand aufrecht zu erhalten. Und immer wieder wundern wir uns, sobald wir einen Riss gestopft haben taucht irgendwo an anderer Stelle ein neuer Riss auf. Wie bei dem Damm werden wir es irgendwann nicht mehr schaffen, die Risse zu reparieren. Es wäre stattdessen effektiver, wenn auch zum Beginn kostspieliger, den Damm kontrolliert zu entleeren und den Fehler zu suchen, ansonsten riskieren wir den Bruch mit allen anschließenden Folgen.

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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