Geldmengenwachstum oder was Sie verdienen sollten

Ich hoffe Sie sind am Anfang des Jahres bei ihrem Chef gewesen und haben ihm mitgeteilt, sie möchten in diesem Jahr weniger Geld. Warum? Weil sich die Geldmenge in Europa gegenüber dem Vorjahr um 0,63 Prozent reduzierte. Natürlich sollten Sie diesen Schritt nur wagen, wenn Sie die Jahre zuvor auch eine Gehaltserhöhung um durchschnittlich sieben Prozent durchboxen konnten. Dies haben Sie versäumt? Nun dann sind Sie einer der vielen Verlierer in Deutschland, welche Jahr für Jahr weniger Geld in der Tasche haben. Wie dies funktioniert? Die Antwort findet man im Geldwachstum.

Ich möchte jetzt nicht damit beginnen, die einzelnen Elemente der Geldmengen zu erklären, welche es zur Berechnung im Euroraum gibt. Dazu benutze ich gerne die folgende Grafik, die man unter der Rubrik „Geldmenge“ in der Wikipedia findet. Einfacher kann man die verschiedenen Geldmengen nicht erörtern.

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Für die EZB (europäische Zentralbank) spielt die Geldmenge M3 eine entscheidende Rolle. Diese Menge ist ein guter Indikator für die Inflation. In den letzten Jahren ist diese Menge seit der Einführung des Euros um knapp sieben Prozent gestiegen und dies jährlich. Betrachtet man den Gesamtzeitraum so stieg die Geldmenge um unglaubliche 72,14 Prozent und dürfte in knapp drei Jahren die 100er Marke erreichen. Theoretisch wäre dann jeder Euro der 2002 ausgegeben wurde, nur noch 50 Cent Wert.

Prozentuale Entwicklung der Geldmenge
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Was bedeutet dies für Sie. Um mit der Entwicklung der Geldmenge Schritt zu halten, müssten Sie ihr Einkommen und ihr Vermögen im Jahr um Durchschnittlich sieben Prozent steigern. Gelingt Ihnen dies nicht, verlieren Sie. Dazu ein paar Rechenbeispiele. Verdienten Sie im Jahr 2002 im Monat 1.500 Euro brutto, müssten es 2010 bereits 2.580 Euro im Monat sein. Wer 2002 gerade einmal 900 Euro im Monat erhielt, dürfte heute bei 1.550 Euro angelangt sein, wenn er nichts einbüßen wollte. Vielleicht ahnen Sie langsam auf was diese Beispiele hinaus laufen.

Wachstum der Geldmenge seit Einführung des Euros
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Kommen wir noch einmal zurück zur Geldmenge M3. Wird diese Geldmenge alleine durch die EZB geschaffen? Definitiv Nein. Diese Geldmenge wird neben den anderen Mengen von den diversen in der EU ansässigen Banken an die EZB übermittelt. Genau wie die EZB verfügt auch eine Bank in geringerem Maße über die Möglichkeit der Geldschöpfung. Vergibt sie zum Beispiel Kredite, greift sie dafür nicht unbedingt auf ihre Einlagen zurück. Stattdessen verleiht sie Geld, welches ihr nicht gehört und auf dieses sie aufpassen sollte. Ein kleiner buchhalterischer Trick, erhöht somit das Vermögen der Bank. Natürlich verlangt die Bank für diese selbstgeschaffene Summe Zinsen, wodurch die Geldmenge M3 weiter erhöht wird.

Geldmengenwachstum in Zahlen seit 2002
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Was bedeutet dies für den Großteil der deutschen Bevölkerung? Nichts, was man nicht wissen würde. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Jeder kann sich selber gerne ausrechnen wann er den Zeitpunkt erreicht hat, an dem er sich zum armen Teil der Bevölkerung zählen darf. Wer hierfür selber etwas mit den Zahlen spielen möchte, der kann gerne die folgende Exceltabelle verwenden: Exceltabelle zum Geldmengenwachstum

Quellen: Monatsberichte der Bundesbank

 

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

7 Gedanken zu „Geldmengenwachstum oder was Sie verdienen sollten“

  1. … sehr interessanter Beitrag.
    Was ich jedoch nicht verstehe: wie erklären sich die unterschiedlichen Entwicklungen in % der verschiedenen Geldmengen? Warum ist das Bargeld fast 3 mal so schnell gewachsen wie M3?

  2. Die Antwort darauf liegt im Zinswachstum. Sobald eine Bank Geld verleiht, verlangt sie dafür Zinsen. Der Geldgegenwert für diese Zinsen ist aber nicht vorhanden und muss erst von der EZB geschaffen werden. Durch die Auffüllung dieses Differenzbetrages werden natürlich weitere Zinsen verlangt und damit erhöht sich wiederum erneut die Geldmenge. Kurz gesagt. Die EZB ist die einzige Institution die Geld erschaffen kann. Wer erschafft aber anschließend das notwendige Geld für die Zinsen?

    Das Wachstum des Bargeldes kann ich mir nur darin begründen, dass die Leute vermehrt auf Zahlungen mit Bargeld setzen. Vielleicht wird aber auch mehr Bargeld zu Hause gehortet. Die Geldmenge M1 könnte theoretisch auch komplett aus Bargeld bestehen. Jedoch sagt diese Summe nichts über die Gesamtgeldmenge aus.

  3. Wenn man die Geldmengenzuwachsrate mit Inflationsraten gleichsetzt, werden viele Faktoren außen vorgelassen.

    Wirtschaftswachstum benötigt höhere Liquidität ohne dass eine Warenteuerung damit einhergeht. Diese muss folglich von einer möglichen Inflation abgezogen werden.

    Produkte werden über Skaleneffekte und besserem Fertigungs-Know-How (inflationsbereinigt) auch günstiger. Dies gilt v.a. in der High-Tech-Branche, aber auch bei vielen Dienstleistungen.
    Diese Günstigungsraten müssen ebenfalls von einer möglichen Inflation abgezogen werden.

    Aufgrund dieser (um einmal zwei zu nennen) und diversen weiteren Faktoren, wird zur Bestimmung der Inflation in der Regel nicht nur die Geldmenge, sondern auch sogenannte Warenkorbindizes herangezogen um eine möglichst exakte Teuerungsrate ermitteln zu können.

    Zieht man diese Zahlen heran, sieht man dass die Inflationsrate in den letzten Jahren im Schnitt nicht bei 7, sonder vielmehr bei 2% lag und momentan geschätzt (!) sogar eher Richtung 1% tendiert.

    Ansonsten stimme ich dem Beitrag aber zu. Wem es nicht gelingt jährlich min. 2% mehr Gehalt herauszuhandeln und bei seinen Anlagen 2% Zinsrate zu erhalten, hat verloren.

  4. Das Thema der Inflation kann man leider wirklich nur separat betrachten. Laut den Aussagen der EZB, ist die Geldmenge M3 jedoch ein wichtiger Indikator für eine Inflation, auch wenn dies nicht einhergeht mit einer Inflation.

    Die Frage die sich jedoch jeder selber stellen sollte ist, wie die Summe ein solches Ausmaß annehmen konnte, ohne dass die Inflation, laut den Statistiken, in diesem Maße gewachsen ist. Die Begründungen dafür könnten vielfältiger nicht sein. Denkbar ist zum Beispiel, die Europäer horten ihr Geld und führen es nicht dem Wirtschaftskreislauf zu. Stattdessen erhöhen die Zinsforderungen permanent die Summe M3.

  5. Die Geldmenge allein führt gerade nicht zur Inflation. Die Aussage mit den der Euro von 2002 ist theoretisch jetzt 50 Cent wert, kann ohne die Realwirtschaft mit einzubeziehen nicht getroffen werden.

    Deine Aussage würde nur stimmen, wenn Deutschland 2010 exakt den selben Wirtschaftsausstoss von 2002 zu den gleichen Kosten von 2002 hätte.
    Wenn aber zb. die Waren/Dienstleistungen im Volumen ebenfalls um diese ca. 7% jährlich gewachsen wären (was sie nicht getan haben), dann hätte man eine 0%-“Inflaton” bzw. Geldwertstabilität.
    M3 ist deshalb wichtig, weil man sie zur Inflationsbestimmung braucht. Sie ist aber nur eine Seite der Medallie.

    Nehmen wir mal deine Gehaltsberechnung.
    Sagen wir ich habe 2002 1500 Euro verdient und verdiene sie heute ebenfalls noch.
    Dann bin ich nur dann wirklich ärmer geworden, wenn ich mir heute mit diesem Geld nicht genauso viel kaufen kann wie 2002. (Was in der Realität natürlich stimmt)

    Vielleicht noch zur Frage von Michael.
    Ich denke mal, die New-Economy-Krise ist eine wichtige Erklärung für das unterschiedliche Wachstum vom Bargeld und M3.
    Der Dax hat 2002 ca. 40% an Wert verloren.
    Diese Wertpapiere zählen zu M3.
    http://www.rockenfeller-pflueger.de/files/1/100202_dax-renditedreick.pdf

    1. @ Zinsteufel:
      Geld definiert sich als
      – Tauschmittel
      – Wertaufbewahrungsmittel
      – Recheneinheit
      Aktien sind als Tauschmittel wegen ihrer schwankenden kurse absolut ungeeignet und zählen daher NICHT zu M3 oder sonst einer Geldmenge (Immobilien genauso wenig). Sie können daher auch nicht für die Berechnung einer Inflation herangezogen werden.

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