Die Riesterlüge – Wie die Riesterrente verkauft wird

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die ARD einen Beitrag zur Riesterrente. Der Beitrag war eine harsche Kritik an den Befürwortern der Riesterrente und an dem weiteren Festhalten an einer privaten Vorsorge die laut Meinungen vieler Experten gescheitert ist. Unsere Meinung zu diesem Thema haben wir vor knapp zwei Jahren hier veröffentlicht. Auch heute noch vertrete ich fest die Meinung, dass eine private Altersvorsorge nicht die Lösung sein kann. Diese Meinung beruht auf Erfahrungen aus acht Jahren aktiven Verkauf in der Versicherungsbranche. Mit welchen Argumenten man jedoch ein Produkt verkauft, welches absolut nutzlos ist, dazu komme ich gleich.

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Die gefühlte Auszahlungssumme von Lebensversicherung war immer geringer

Zum Beginn möchte ich noch einmal aus meinen persönlichen Erfahrungen sprechen, die wir mit kapitalbildenden Versicherungen gemacht haben. Wir haben, während wir für eine Versicherung gearbeitet haben, mehrere Lebensversicherungsverträge an Kunden ausgezahlt. Ich kann mich aber an keinen einzigen Fall erinnern, bei den ein Kunde positiv über die Höhe der Auszahlung überrascht war. Bei sämtlichen Auszahlungen rechneten die Kunden schnell nach, was man ihnen beim Abschluss des Vertrages versprochen hatte und was man sich am Tag der Auszahlung leisten konnte. Das Ergebnis war für alle niederschmetternd. Es gab nur eine Sorte von Kunden, die sich über die Auszahlung freuten. Dies waren die Kunden, die vor Jahren ihren Vertrag beitragsfrei gestellt hatten und unterdessen vergaßen, dass dieser überhaupt existierte. Diesen Kunden war es auch egal wie hoch die Auszahlungssumme war. Man freute sich über jeden Euro der unverhofft in die Privatkasse gespült wurde. Wer heute somit alleine der Riesterrente die Schuld für das Rentenfiasko gibt, vergisst dabei sehr schnell, auch die früheren kapitalbildenden Lebensversicherungen lieferten kein besseres Ergebnis.

Die wenigsten Kunden rechnen nach, ob sich ein Sparvertrag wirklich lohnt

Der Unterschied zu kapitalbildenden Lebensversicherungen und Rentenversicherungen im Vergleich zur Riesterrente findet man jedoch in den Argumenten. Durch die staatliche Förderung erhielt die Riesterrente ein Argument, mit welchen man hervorragend verkaufen konnte. Die scheinbare Rendite, die eine Riesterrente durch die Zulagen jedes Jahr erzielte, lies die meisten Menschen ihren eigenen Traum vom langersehnten Reichtum träumen. Erstaunlich war, der geringste Teil rechnete wirklich nach, ob sich dieses Modell überhaupt lohnte. Statt dessen träumte man von Zuschüssen, Renditen und am Ende von einer fetten Auszahlung, ein Konzept welches seit Jahrzehnten bestens funktioniert.

32 Prozent Rendite pro Jahr, das Verkaufsargument für jede Riesterrente

Für den Verkauf einer Riesterrente gab es verschiedene Möglichkeiten. Eine Möglichkeit war die folgende Methode, die man den Vertretern empfahl. Man sollte den Kunden zeigen, welche eigenen Beiträge er in die Riesterrente einzahlt und welche Förderungen er vom Staat erhielt. Ein einfaches Beispiel. Ein Geringverdiener erhält im Monat ein Bruttoeinkommen von 1.000 Euro. Vier Prozent davon gehen in den Riestervertrag, macht also 40 Euro pro Monat. Da er die volle Summe einzahlt, erhält er auch die volle staatliche Förderung von 154 Euro. Rechnet man jetzt den Jahresbeitrag zusammen und setzt diesen ins Verhältnis zu der Förderung, dann ergibt sich daraus eine schöne Jahresrendite. Bei 480 Euro und 154 Euro Zuschuss sind dies mal schnell 32 Prozent. Die Frage die man anschließend stellen sollte um zum Abschluss zu kommen war: „Zeigen sie mir einen Sparvertrag, der ihnen diese Prozente garantiert!“. Wer an dieser Stelle noch haderte, wurde damit beruhigt, dass die Zuschüsse und alle eingezahlten Beiträge garantiert sind. Man konnte mit dem Abschluss einer Riesterrente scheinbar nur gewinnen.

Der Riestervertrag ist ein staatlich subventioniertes Produkt für die Versicherungen

Problematisch wird es nur wenn man sich die sonstigen Faktoren ansieht. Da wären zum Einen die Zulagen die vom Staat bezahlt werden. Doch wer ist der Staat? Natürlich wir als Steuerzahler, was wir auch schon einmal in einem früheren Beitrag näher erörterten. Der Riestervertrag entpuppt sich somit nicht als Gewinn für den Sparer sondern als ein staatlich subventioniertes Produkt für die Versicherungswirtschaft. Dazu kommen mit dem Vertrag Gebühren in Form von Abschlussprovisionen und laufenden Gebühren für die Beantragung der Förderung. Diese Gelder fließen aber nicht in den Vertrag sondern in die Versicherungswirtschaft. Wie viel ein Vertreter dabei an einem Vertrag verdient, habe ich an dieser Stelle bereits ausgewiesen. Der Beitrag der ARD ging auch auf diese beiden Punkte ein, was ein Novum darstellt. In dem Beitrag wurde aber noch ein weiterer Punkt in den Fokus gerückt. Denn was geschieht mit den Riesterverträgen wenn die Versicherungen aufgrund von Finanzkrisen ins Schwanken geraden sollten? Wer übernimmt dann die Auszahlung der Riesterverträge? Der Beitrag der ARD behauptet, dies würde mit Sicherheit der Staat übernehmen. Ein Gedanke der nicht abwegig ist.

Die Zukunft wird eine garantierte Mindestrente sein

Wie sollte man aber für das Alter vorsorgen, wenn der Staat keine Alternativen mehr bietet und nur die scheinbare Flucht in die private Altersvorsorge bleibt? Diese Frage kann man nicht allgemein beantworten. Mit großer Sicherheit werden wir aber auch in Zukunft weiterhin eine Grundsicherung erhalten. Ich gehe zudem davon aus, dass wir in 20 bis 30 Jahren eine garantierte Mindestrente besitzen. Warum dies wahrscheinlich ist, ist der demografische Wandel, der immer wieder gerne als Grund genutzt wird, um Altersvorsorgeverträge abzuschließen. Wenn der Anteil der Rentner in Deutschland weiter steigt, werden die Rentner zukünftig die größte Wählerschicht sein. Mit der steigenden Anzahl an Rentnern wird aber auch die Anzahl derjenigen steigen, die unter Altersarmut leiten. Die Partei, die dafür eine Lösung finden wird, wird somit sehr viele Stimmen erhalten. Doch wie kann man das Problem lösen? Indem man natürlich eine Grundsicherung für Rentner einführt, die höher liegt als die derzeitige Grundsicherung, was einer Mindestrente gleichkommt.

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Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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