Die acht Mythen um Computerspiele und Killerspiele

Immer wenn hierzulande eine kriminelle Tat von Jugendlichen nicht wissenschaftlich erklärt werden kann, greifen findige Politiker oder Gesellschaftskritiker zur These der Gewaltspiele oder Killerspiele als Ursache für die Tat. Diese These bringt im Besonderen bei vielen jungen Menschen das Blut zum Kochen. Der Grund dafür ist einfach, denn mit dieser These wird eine Jugendkultur automatisch kriminalisiert. Jens Holze und Dan Verständig, beide tätig in Magdeburg, beschäftigen sich bereits seit einer Weile mit dem Thema. In einem Vortrag auf der Veranstaltung „Datenspuren“ in Dresden, welche vom Chaos Computer Club Dresden organisiert wurde, versuchten sie die bekannten Mythen um Computerspiele näher zu beleuchten.

Bei ihren Ausführungen um die bekannten Mythen von Computerspielen konzentrierten sich Jens Holze, vom Magdeburger Institut für Sicherheitsforschung und Dan Verständig von der Otto von Guericke Universität in Magdeburg auf die bereits ermittelten Mythen von Henry Jenkins. Jeder Mythos wurde genauer unter die Lupe genommen und der Versuch gestartet diesen zu widerlegen.

1. Mythos: Die Verbreitung von Videospielen verursache eine jugendliche Gewaltwelle!

Es gibt heute noch keinen einwandfrei wissenschaftlichen Beweis, dass Computerspiele die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen erhöhen. Die Ergebnisse der existierenden wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema, sind stark davon abhängig, von wem sie durchgeführt wurden und welches Ziel sie verfolgten. Einziger, eindeutiger Beleg für die Anzahl der Gewalttaten von Jugendlichen sind die Polizeistatistiken. Diese besagen jedoch, seit 2004 sinkt die Anzahl der kriminellen Handlungen von Jugendlichen.

2. Mythos: Gewaltspiele führen zur echten Gewalt!

Gewalt ist immer ein Ausdruck davon, Regeln zu brechen und allgemeine Regeln zu überschreiten. Ein Computerspiel unterliegt jedoch immer gewissen Regeln, wie man schon am Interface sieht, welches jedes Computerspiel besitzt. Man kann ein Computerspiel nur gewinnen, wenn man sich an Regeln (die Regeln des Spiels) hält. Geht man aus diesem Grund davon aus, dass ein Computerspiel jemanden beibringt, sämtliche Regeln zu missachten, würde es sich dadurch selber in Frage stellen.

3. Mythos: Nur Kinder spielen Videospiele!

Laut der KIM (Kinder in Medien) und JIM (Jugendliche in Medien) ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung dieser Altersgruppe sich „mit Freunden treffen“ Bei den sechs bis dreizehnjährigen spielten 65 Prozent regelmäßig Computer oder Konsolenspiele. Bei den zwölf bis neunzehnjährigen noch 35 Prozent der Jugendlichen. Diese Quote nimmt bei den 20 bis 30jährigen anschließend wieder zu, wie auch eine schöne Grafik im Computerspielmuseum in Berlin zeigt.

Zudem kann man zu diesem Mythos noch eine weitere interessante Frage stellen. Wieso gibt es, wenn nur Kinder Videospiele spielen, Videospiele mit einer USK18 Einstufung? Kein Hersteller von Videospielen würde das Risiko eingehen, dass sein Spiel eine solche Alterseinstufung erhält, wenn der Hersteller wüsste, er könnte das Spiel nicht verkaufen.

4. Mythos: Mädchen spielen keine Videospiele!

Auch an dieser Stelle lohnt sich ein Blick in die KIM und JIM Studie vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest. Laut den Untersuchungen spielen immerhin 19 Prozent der jungen Mädchen und 14 Prozent der Mädchen im Jugendalter häufig Computerspiele. Tendenz steigend. Die Ursachen dafür sehen Jens Holze und Dan Verständig unter anderem auch darin, dass Computerspiele bisher vor allem auf Jungen abzielten. Computer- und Videospiele für Mädchen sind erst seit ein paar Jahren auf dem Vormarsch. Beide gehen davon aus, in den nächsten Jahren wird die Zahl der Mädchen zunehmen, die Computerspiele spielen.

5. Mythos: Videospiele werden dazu verwendet, Soldaten auszubilden!

Dass es Videospiele gibt, mit denen Soldaten trainiert werden, ist kein Geheimnis mehr. Doch das Training von taktischen Manövern in einem Computerspiel kann nicht ein echtes Training ersetzen. Hierfür gibt es mehrere Beispiele, wie die Ausbildung von Piloten an Flugzeugsimulationen oder von Truckfahrern an einer Fahrsimulation. Niemand der einen Führerschein besitzt wird behaupten, wenn man an einer Autosimulation das Auto fahren übt, könnte man danach auch wirklich Auto fahren.

6. Mythos: Videospiele haben als Ausdrucksform keine Bedeutung!

Dieser Mythos ist sicherlich heute einer der lächerlichsten Mythen. Die Videospielkultur hat seit längerem schon Einzug in das normal Leben gehalten. Man denke dabei nur an die Figur von „PacMan“ die nicht nur zu Werbezwecken missbraucht wurde. Videospiele sind aus unseren täglichem Leben nicht mehr wegzudenken und prägen dadurch aktiv unser Leben. Figuren wie Mario, Yoshi oder die Prinzessin Peach drücken Emotionen aus und verbinden Menschen mit digitalen Charakteren.

7. Mythos: Videospiele führen zur sozialen Isolation!

Derzeit sollen immerhin 60 Prozent aller Computerspieler lieber mit jemanden als alleine spielen. Hält man sich hierzu auch noch einmal die Studien der KIM und JIM Studie vor Augen, bei denen man herausfand, die Lieblingsbeschäftigung wäre „sich mit Freunden treffen“, so erkennt man sehr schnell, man von vielem sprechen aber eben nicht von Isolation.

Jens Holze und Dan Verständig brachten zusätzlich noch weitere Beispiele, die belegen Computerspiele verbinden und isolieren nicht. Sieht man sich die Entwicklungen im eSport oder die Jugendbewegung der LAN-Partys an, sind dies eindeutige Belege dafür. Der Erfolg dieser Treffen ist auf das grundlegende Bedürfnis der Menschen nach menschlicher Gemeinschaft zurück zu führen. Das „blasse Kellerkind“ von dem in diesem Zusammenhang immer gerne die Rede ist, ist eher eine Ausnahmeerscheinung.

8. Mythos: Videospiele wirken Desensibilisierend!

Der letzte Mythos konnte aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit nicht weiter behandelt werden. Beide Redner gingen noch einmal kurz darauf ein, dass auch hierzu keine wissenschaftlichen Studien existieren. Es handelt sich um wahrscheinlich wie auch der Begriff des „Killerspiels“ um eine subjektive Beobachtung weniger Menschen, die wissenschaftlich nicht untermauert ist.

Ich möchte als Gegenbeispiel noch das Spiel Nintendogs anführen. Das Ziel des Spieles ist, ein Haustier ordentlich zu versorgen und dieses gesund zu ernähren. Aus eigener Erfahrung wirkt dieses Spiel äußerst sensibilisierend auf Kinder und kann als Vorbereitung für ein echtes Haustier äußerst hilfreich sein.

Links: www.mpfs.de, www.mpfs.de

 

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

Ein Gedanke zu „Die acht Mythen um Computerspiele und Killerspiele“

  1. Ein schöner Beitrag und ich stimme dir in vielen Punkten zu. Zu der Sache mit den Alterseinstufungen: Vergiss nicht, dass PEGI eine ab 21 Marke hat.
    Ich spiele seit ca. 12 Jahren Computerspiele, bin jetzt 18. Ich spiele gewaltbereite Spiele seit ich 12 bin und tue heute selten jemandem Gewalt an. Ich bin eigentlich Pazefist und zocke gewalttätige Spiele wie Darksiders und Bioshock.
    Ich bin mir sicher, dass ich keine Ausnahme bin. Zu dem Thema soziale Isolation: Da kann man doch echt nur lachen. Wozu gibt es denn so viele Comunuties im Internet? Was ist mit Lan Parties? Ich habe einen Großteil meines Freundeskreises nur gefunden, weil ich Spiele spiele.
    Politiker, die sowas sagen, darf man nicht wählen, sondern die gehören in eine geschlossene Anstalt – nicht die beim ZDF.
    Blos nicht wieder die gleichen Deppen wählen, wie letztes Mal. 😉

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