Die D-Mark als Komplementärwährung – der dritte Weg aus der Krise?

Europa ist gespalten. Gespalten in zwei Lager. Die einen fordern die Abschaffung des Euros und die erneute Einführung der alten Landeswährungen. Die andere Seite hält am Euro fest und will retten was zu retten ist. Es scheint, als ob sich über Europa ein neuer eiserner Vorhang senkt. Nur diesmal besteht dieser aus groben Maschen und teilt die Lager in kleine Parzellen. Warum aber denkt man nicht über einen dritten Weg nach, der das Eine mit dem anderen verbindet? Wie zum Beispiel die D-Mark als Komplementärwährung einzuführen, die zukünftig auch wieder die Binnennachfrage beleben würde.


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Eine neue Währung statt dem Euro, wird nicht funktionieren

Um es gleich vorweg zu nehmen, die Wiedereinführung der D-Mark als Ersatz für den Euro, wird die Krise nicht beenden. Dafür sorgt alleine schon die Exponentialfunktion, die in unserem Geldsystem integriert ist. Wie die Währung sich nennt, mit der wir gerade unsere Brötchen kaufen, spielt dabei keine Rolle. Die Kluft zwischen Geldbesitz und Geldschuld wird auch durch einen Währungswechsel nicht beseitigt. Was jedoch möglich wäre, ist die Einführung einer Komplementärwährung in Deutschland, die zukünftig die derzeitigen Krisenerscheinungen abschwächen und ein neues Geldzeitalter einläuten könnte. Gibt es so etwas bereits irgendwo? Natürlich und zwar bei unseren Schweizern Nachbarn. Dort existiert neben dem Schweizer Franken seit knapp 80 Jahren eine Zweitwährung, eine Komplementärwährung, die sich WIR nennt.

Doch was ist dies überhaupt, eine Komplementärwährung? An dieser Stelle könnte man die Definition aus der Wikipedia verwenden, was ich jedoch nicht als sehr förderlich finde. Denn um zu verstehen wie eine Komplementärwährung funktioniert, ist es erst einmal wichtig zu wissen, wozu wir heute überhaupt Geld benötigen. Dazu fallen einem mit Sicherheit genügend Dinge ein. Doch letztendlich wird Geld immer wieder für dieselbe Funktion eingesetzt. Geld soll den Austausch von Waren und Dienstleistungen vereinfachen. Geld sorgt somit dafür, dass man schneller Angebot und Nachfrage zusammen bringen kann. Ohne Geld würden wir wieder in den direkten Austausch von Waren und Dienstleistungen zurückfallen, mit all seinen negativen Begleiterscheinungen. Geld kann man somit als Schmiermittel für unser tägliches Wirtschaften und Leben betrachten.

Wie das Geld heißt, spielt keine Rolle

Das Schmiermittel welches wir heute verwenden, heißt Euro. Davor war es die D-Mark und davor die Reichsmark. Manche von uns hatten sogar noch eine weitere Währung, die DDR-Mark. All diese Währungen hatten aber eins gemeinsam, sie waren vom Staat legitimiert. Die Bürger konnten damit Steuern und andere staatliche Gebühren bezahlen. Es gab aber auch Phasen in denen dieses Geld niemanden etwas nützte, wie zum Beispiel am Ende des ersten Weltkriegs oder in vielen Bereichen in der DDR. Das Angebot an Waren war so gering, dass diese auch ohne Geld den Besitzer wechselten. Warum war dies so? Die Nachfrage überstieg das Angebot um ein Vielfaches und fand somit immer schnell einen direkten Abnehmer. Gerade in der DDR konnte man die verschiedensten Auswirkungen sehr gut beobachten. Bei den Produkten und Dienstleistungen, bei denen ein Überangebot herrschte, bezahlte man in den meisten Fällen mit Geld. Produkte und Dienstleistungen, die dagegen nur schwer zu bekommen waren, wurden getauscht. Geld spielte in diesen Fällen keine Rolle.

Natürlich können wir die Situation, wie sie damals nach dem Krieg und in der DDR existierte, nicht mit heute vergleichen. Auch drei Jahre nach Beginn der Krise, leben wir immer noch in einer Überflussgesellschaft. Waren und Dienstleistungen sind ausreichend vorhanden. Selbst die Nachfrage lässt nicht nach. Was aber überall fehlt, ist das Geld. Womit wir beim eigentlichen Problem wären. Die Krise, wie sie heute existiert, ist eine Geldkrise und zwar immer noch. Bis auf den Verlust unserer Sparvermögen, besteht kaum eine existenzielle Gefahr. Es gibt derzeit keine Verschlechterungen in der Nahrungsmittelversorgung. Und auch die Grundbedürfnisse Kleidung und warme Wohnungen sind durch diese Krise nicht gefährdet. Die einzige Gefahr besteht heute darin, dass wir unsere Nachfrage nicht mehr kurz- oder mittelfristig befriedigen können und dadurch die Anbieter mittelfristig in den Ruin treiben. Wenn aber das Problem nur das Geld ist, wieso drucken wir dann nicht einfach Neues? Auch dies ist nicht so einfach, wie bereits zu Beginn erwähnt. Aufgrund der Exponentialfunktion in unserem Geldsystem wird das frisch gedruckte Geld sofort zu denen umgeschichtet, die davon schon genügend besitzen. Das Geld gelangt somit nicht dorthin wo es hingehört, nämlich zu denen die eine Nachfrage befriedigen möchten.

Der Komplementärwährung WIR, eine erfolgreiches Schweizer Experiment

Doch um Waren und Dienstleistungen in einer Überflussgesellschaft ordentlich tauschen zu können, wird Geld benötigt. Schließlich bemisst sich der Wert des Geldes nicht nach dessen Volumen, sondern nach der verfügbaren Geldmenge und dessen Umlaufgeschwindigkeit.

Wert des Geldes = Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit

Ist einer der beiden Werte tendenziell Null, dann gerät der Austausch von Waren und Dienstleistungen ins Stocken. Die Schweizer haben dies bereits vor über 80 Jahren erkannt. Um genau zu sein, nach der letzten Währungskrise von 1929. Damals glichen die Auswirkungen der Krise denen, die wir auch heute sehen. Angebote und Nachfragen finden nicht mehr zueinander, weil die Geldmittel in den jeweiligen Händen fehlen. Alleine die heutigen Sozialsysteme verhindern einen Volksaufstand. Der WIR, die Komplementärwährung der Schweizer, löste dieses Problem und brachte die Schweizer Unternehmen in den letzten Jahrzehnten erfolgreich durch die jeweiligen Krisen. Immer wenn es dem Schweizer Franken schlecht ging, die Währung also an Wert verlor, handelten die Unternehmen untereinander mit dem WIR.

Vorteile und Nachteile einer Komplementärwährung D-Mark

Doch was ist jetzt der genaue Vorteil von einer Komplementärwährung? Auch dazu lohnt es sich die Länder oder Gegenden zu betrachten, die eine Komplementärwährung erfolgreich einsetzen. Für die Unternehmen bringt eine solche Währung in Währungskrisenzeiten einen erheblichen Vorteil mit sich. Bei genügender Nachfrage, bei der nur die finanziellen Mittel fehlen, müssen sich Unternehmen nicht auf die Suche nach den Nachfragenden begeben, die auch noch über die finanziellen Mittel verfügen. Dies spart in erster Linie viel nervenaufreibende Zeit, in der Unternehmen viel besser Das leisten können was sie eben am Besten können. Eine Komplementärwährung würde somit den derzeitigen Krisenerscheinungen entgegen wirken. Allerdings muss man bei einer Komplementärwährung auch berücksichtigen, man kann diese Währung nur dort verwenden, wo sie auch angenommen wird. Meistens ist auch ein Umtausch in eine andere Währung, die nicht eine Komplementärwährung ist, nicht möglich. Wenn man aber berücksichtigt, dass derzeit in der Schweiz rund 70.000 Unternehmen sich erfolgreich an der WIR-Komplementärwährung beteiligen und man dies auf Deutschland hochrechnet, dann kann man sich auch ungefähr ausmalen, wie erfolgreich eine solche Währung hierzulande wäre.

Verzichten müsste man dagegen vielleicht auf den Urlaub im Ausland. Oder auf den Einkauf außerhalb der Komplementärwährungszone Deutschland. Wahrscheinliche ist es aber, dass auch Unternehmen außerhalb von Deutschland versuchen würden , sich an dieser Komplementärwährung zu beteiligen. Schließlich interessiert es ein Unternehmen sehr wenig, wie sich die Währung gerade nennt, in der man verkauft. Hauptsache man erhält für diese Währung auch genügend Angebote an Produkten oder Dienstleistungen. Mit Sicherheit würde aber eins auf jeden Fall eintreten. Der Binnenmarkt würde eine neue Belebung erfahren, Gehälter würden steigen und das soziale Gefüge könnte wieder einen gemeinschaftlicheren Charakter erleben. Doch natürlich erst, wenn diese Gedanken auch gedacht werden dürfen.

 

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

4 Gedanken zu „Die D-Mark als Komplementärwährung – der dritte Weg aus der Krise?“

  1. Hi Ronny, die K-Währungen sind ein breites Feld, weil sie aus teils sehr unterschiedl. Gründen entstehen, funktionieren (oder auch nicht funktionieren) und wirken. Ich will nur mal auf die DDR-Mark eingehen.
    1.) Die meisten Geschäfte wurden geldlich abgewickelt, die Tauschgeschäfte waren zwar nicht unwichtig, aber die Minderzahl. bei Mangelgütern kam im Übrigen im Endverbrauchersektor oft die D-Mark als K-Währung zum Einsatz. Aber das vor allem, weil die offizielle Währung vom Staat ausgehält wurde und das sind wir bei
    2.) Allein das Unterangebot hätte nur dazu geführt, dass der Anbieter die Ware so weit verteuert, wie der Endverbraucher bereit gewesen wäre, den Preis zu zahlen. Das hat aber der Staat unterbunden, der das Währungsgefüge (im Inland) vollkommen durch Preisbindung und massive Lebensmittelsubventionen von der Angebot-Nachfrage-Balance abgekoppelt hat. Im Auenhandel hat der Staat dagegen sehr wohl – wenn auch indirekt durch den devisenerlösfaktor – die Kaufkraft der DDR-Mark berücksichtigt und zum Anlass für wichtige Entscheidungen gemacht.
    3.) Hat der Staat das Geldsystem im innerwirtschaftlichen Kreislauf entfunktionalisiert, indem er Ressourcenzuweisungen für die Betriebe zum limitierenden Faktor machte, was aber die Steuerfähigkeit des Staates letztlich immer weiter verkompliziert hat.
    All dies hat K-Währungen wie die D-Mark und die Valuta-Mark stark begünstigt. Doch die Akzeptanz der K-Währung D-Mark war auch deshalb so hoch, weil sie eben gerade UNIVERSELLE Kaufkraft repräsentierte – ganz anders als die Beispiele wie die WIR-Währung, die Dir hier vorschweben, die eher vom guten Willen enthusiastischer Aktivisten leben. Warum aber sollte die exportorientierte und inzwischen enorm international verflochtene deutsche Wirtschaft eine K-Währung annehmen, die nur im Binnenmarkt akzeptiert wird und für die eine freie Konvertierbarkeit nicht in Aussicht ist? Wär ich Chef von VW oder Siemens, wär mir das wirklich zu anstrengend, meinen Golf oder meine Turbine im Inland für K-Währung zu verkaufen, im Ausland für Euro und dann hab ich weniger Auswahl, ob ich beim Zulieferer X in F oder bei Y in D einkaufe etc pp. Heiko

  2. @Heiko: Danke dir für die ergänzenden Informationen zum Wirtschaftssystem der DDR.

    Dass das Wirtschaftssystem und das damit verbundene Geldsystem einen gewaltigen Mangel besaß, dürfte zum Ende der DDR auch der Letzte begriffen haben. Allerdings unterscheide ich sehr deutlich zwischen dem Geldsystem und dem Wirtschaftsystem. Vergleicht man diese Beiden mit den Existierenden in der BRD, dann stellt man sehr schnell fest, das Einzige was beide Systeme unterschied war das Wirtschaftssystem. Das Geldsystem unterlag auf beiden deutschen Seiten denselben Kriterien. Die DDR war eine kapitalistische Diktatur mit einer Planwirtschaft, die weniger durch mangelnde Produktivität Probleme bekam, sondern durch das billige Verramschen von Produkten auf der Jagd nach genügend Devisen. Und an dieser Stelle gebe ich dir vollkommen Recht. Durch die massiven Einschränkungen des freien Marktes wurde der Wert der DDR-Mark gewaltig abgewertet.

    Doch wenn man Marktwirtschaft und Kapitalismus in einen Topf wirft, kommt man in Teufels Küche. Dass Eine hat mit dem Anderen rein gar nichts gemeinsam. Im Kapitalismus dient der Markt der Mehrung des Kapitals. In der Markwirtschaft dem Austausch von Waren und Dienstleistungen. Die Schweizer haben dies nach der letzten großen Wirtschaftskrise gut erkannt und verstanden. Durch ihre Komplementärwährung besitzen Sie eine Unabhängigkeit gegenüber Währungsspekulanten. Schwankungen im Umtausch des Schweizer Franken zu Fremdwährungen, kann man dadurch nicht entgegen wirken. Diese sind in einem Markt natürlich. Doch der Auskauf der Währung in der Hoffnung den Kurs nachhaltig zu beeinflussen, wie geschehen Anfang der Neunziger mit dem Lire, diesen Möglichkeit wirkt man entgegen. Schließlich kann eine Komplementärwährung schnell einmal vom Staat zur Staatswährung ausgerufen werden, was einen extremen Verlust für Spekulanten bedeuten würde.

    Eine Komplementärwährung sehe ich aus diesem Grund nicht als enthusiastische Haltung von ein paar Aktivisten, denn 70.000 Schweizer Unternehmen würde ich auch nicht mehr als ein paar Aktivisten bezeichnen, sondern eher als eine Absicherung für die Marktwirtschaft.

  3. Hi Ronny,
    am Ende schreiben wir hier sicher noch mal seitenlange Pamphlete rein 😉
    Aber das Beispiel WIR fand ich interessant und hab dort mal nachgeschaut (mit meiner Bemerkung über die Enthustiasten hatte ich übrigens auch eher manches lokales Experiment hierzulande vor Augen, das sich nie recht entwicklt hat):
    Es ist sicher lobenswert, dass die WIR-Bank kleine und mittelständische Unternehmen mit niedrigverzinslichen Krediten versorgt und solche Initiativen sind zu begrüßen. Aber der Blick in den Geschäftsbericht zeigt: Das Franken-Kreditvolumen steigt bei denen kräftig, das WIR-Kreditvolumen stagniert. Die wesentliche Finanzierungsquelle der Bank sind anscheinend klassische Bankgeschäfte in Franken (und nicht in WIR). Und mit Gesells Freigeld-Konzept hat das ohnehin nur noch wenig zu tun: Guck mal in die Historie, das steht (von WIR selbst so formuliert): 1948: Abschied vom Schwundgeldexperiment. Und Zinsen nehmen die ohnehin. Die Deckung der Geldschöpfung erfolgt durch Sachverpfändungen – auch eher traditionell. Und als WIR und Franken noch konvertibel waren und in der Praxis der WIR im Kurs verlor, haben die den Umtausch kurzerhand verboten.
    Kurz: Sicher ein lobenswertes genossenschaftliches Konzept, aber eine empirische Bestätigung von Gesells Freigeld-Konzept? Wohl eher nicht.
    Heiko

    1. @Heiko: Dies sehe ich genauso. Interessant ist an dem „WIR“ wie sich dieser über die Jahre entwickelte. Zum Beginn noch von den Ideen von Gesell durchdrungen, war gerade der Schritt sich von dem Schwundgeld zu verabschieden, einer der interessantesten Entwicklungen. Überdenkt man diese Entwicklung und berücksichtigt den Zeitpunkt, dann erahnt man auch, warum dieser Schritt notwendig war. Die Idee des Schwundgelds wird in der breiten Bevölkerung keine Befürworter finden, sondern für Widerstand sorgen. Zudem man mit der Idee, die Menschen in eine Kreditabhängigkeit drängt, wenn größere Investitionen notwendig sind, wie zum Beispiel der Kauf eines neuen Fahrzeuges.

      Ich sehe auch die derzeitigen Entwicklungen der WIR-Bank als eher bedenklich an, da sie unter Einführung der Expotentialfunktion die Idee der Komplementärwährung komplett untergräbt. Wie sich dies weiterentwickeln wird, bleibt offen. Doch zeigt dass Beispiel der WIR-Währung sehr gut, dass eine Komplementärwährung auch über einen längeren Zeitraum erfolgreich funktionieren kann. Dass solche Systeme mittel- bis langfristig aufgeweicht und allmählich zum Nutzen Weniger verändert werden, gehört zur Geschichte der Menschheit wie das Amen in der Kirche.

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