Club of Rome – Wirtschaftskrise und Kapitalismus

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über den „Club of Rome“ verfassen und deren extremen Ansichten zum Kapitalismus. Der Grund dafür waren diverse Aussagen, die ich in den letzten Monaten hörte, welche angeblich von dieser „mysteriösen“ Vereinigung stammten. Darunter Aussagen wie folgende: “Die Auslöschung der menschlichen Rasse dürfte nicht nur unausweichlich sein sondern auch eine gute Sache.” Christopher Manes.

“Meine drei Hauptziele wären die Reduzierung der Weltbevölkerung auf 100 Millionen weltweit, die Zerstörung der industriellen Infrastruktur zugunsten der Wildnis, die dann mit all ihren Spezies auf der gesamten Welt zurückkehrt.“ Dave Foreman. Und zum Schluss noch diese: “Wenn ich wiedergeboren würde, dann würde ich mir wünschen als Killervirus auf die Erde zurückzukehren um das menschlichen Bevölkerungsniveau zu reduzieren.“ Prince Philip, Duke of Edingburgh. Aus Gründen der Richtigkeit ist es jedoch wichtig zu erwähnen, keiner der Zitierten gehörte jemals den Club of Rome an.

Stattdessen stieß ich auf zwei Schriften, welche aus diesem Jahr stammen und sich mit dem aktuellen Thema der Finanzkrise und den zukünftigen Problemen auf unseren Planeten beschäftigen. Ich gebe zu, ich war erstaunt, was ich in den Papieren las. Soweit waren die Ansätze und Ideen gar nicht von meinen eignen Vorstellungen eines zukünftigen Lebens auf der Erde entfernt. In beiden Papieren ist immer wieder die Rede von zehn Millionen Menschen, die in wenigen Jahrzehnten den blauen Planeten bevölkern werden und wie man die dafür notwendigen Grundvoraussetzungen für das Zusammenleben schaffen kann.

Auch kann man in der Zwischenzeit bei dem Club of Rome nicht mehr von einer „geheimen“ Organisation sprechen. Dafür sind die Informationen aus erster Quelle zu intensiv vorhanden. Der Club of Rome präsentiert sich als eine Organisation, die grundlegende Denkanstöße geben möchte. Die Initialzündung dafür war das Buch von Dennis Meadows „Die Grenzen des Wachstums“. Entscheidender als die Geschichte des „Club of Rome“ sind jedoch die Aussagen, welche in den Dokumenten getroffen wurden. Ein paar meiner Ansicht nach interessante Stellen, möchte ich hier zitieren.

Zitate aus dem Dokument „Alle wollen Wachstum! – Woher soll es kommen?“ von Uwe Möller

Berücksichtigt man zudem die demographische Schrumpfung und Überalterung in unserer Gesellschaft, wird ein leistungsfähiges Bildungssystem, das durch Fordern und Fördern alle Potentiale und Talente ausschöpft und zum Lebenslangen Lernen befähigt, unverzichtbar für die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu bedarf es erheblicher Bildungsanstrengungen: sowohl in finanzieller Hinsicht wie auch hinsichtlich struktureller Reformen, die vor allem auch verhindern müssen, dass durch schichtenspezifische Bildungsdefizite soziale Spannungspotentiale mit erheblichen sozialen Kosten entstehen.

Die sich auch in Deutschland andeutenden Tendenzen zu sozialen Disparitäten müssen ernst genommen werden. Folgende Zahlen (2005) weisen auf diese Problemlage hin: Fast ein Achtel aller Deutschen ist armutsgefährdet, bei den Bürgern mit Migrationshintergrund beträgt der Anteil fast 30 %, Arbeitslose sind zu 43 %, Alleinerziehende zu 26 % vom Armutsrisiko betroffen. Bei den Arbeitseinkommen verfügt das oberste Zehntel über einen Anteil von 28,4 %, die folgenden Zehntel über 17,8 %, 14,4 %, 11,8 %, 9,8 %, so dass auf die obere Hälfte aller Arbeitnehmer 82,2 % aller Arbeiteinkommen entfallen. – Auch die Vermögensverteilung zeigt ein ähnliches Bild: 27 % aller Haushalte haben kein Vermögen bzw. sind verschuldet, auf das obere Zehntel entfallen 60 % aller Vermögen, auf das folgende Zehntel 20 %. Die ärmeren zwei Drittel verfügen über weniger als 10 %.

„Thatcherism“ und „Reaganomics“, die dieser Maxime besonders huldigten, haben nicht zum Erfolg geführt. In Zusammenhang mit der Senkung der Unternehmenssteuern und der Möglichkeit, „Steuer-Oasen“ zu nutzen, entstand im Globalisierungsprozess ein Wettlauf nach immer niedrigeren Steuersätzen, der letztlich dazu zwang, Staatsausgaben zu senken und wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie auch öffentliche Dienstleistungen einzuschränken bzw. diese zu privatisieren in der Gewissheit, dass die privatwirtschaftliche Lösung effizienter sei. Das ist jedoch in vielen Fällen nicht eingetreten, da die „unternehmerischen Anbieter“, unter dem (eher kurzfristigen) Kapitalmarkt-Rendite-Druck stehend, dem Gemeinwohl verpflichteten Charakter der anzubietenden Leistungen nicht hinreichend Rechnung tragen konnten bzw. wollten.

Bei der Diskussion hinsichtlich einer angemessenen und „gerechten“ Steuerbelastung darf nicht vergessen werden, dass eine in den Steuersätzen höhere Belastung der höheren Einkommen auch insofern vertretbar ist, als die auch mit ihren Steuern finanzierten staatlichen Gemeinschaftsleistungen die gesellschaftlich-politische Stabilität und Entwicklung sicherstellen, von der sie als „Leistungsträger“ besonders profitieren.

Wir benötigen dringend eine technologische Effizienz-Revolution in der Ressourcennutzung wie auch die Einführung immateriell-orientierter Lebensstile. Das verlangt eine grundlegende Änderung von Strukturen und Prozessen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Zitate aus dem Dokument „Die Wirtschaftswissenschaften nach der Krise – Einige Hinweise zur Orientierung“ von F.J.Radermacher

Nach dem Fast-Gau des Weltfinanzsystems und der daraus resultierenden Weltwirtschaftskrise befinden sich die Wirtschaftswissenschaften in Erklärungsnöten.

In der Summe ergibt sich mit Blick auf die Wirtschaftswissenschaften und führende Experten der Wirtschaft der ernüchternde Befund, dass diese ganz überwiegend die Krise nicht haben kommen sehen, die meisten von ihnen verstehen wenig vom Finanzsystem, ihre Vorschläge zum Umgang mit der Krise widersprechen sich, der Begriff „Wirtschaftsweise“ regt viele mittlerweile zu ironischen Bemerkungen an und in DIE ZEIT Nr. 52 (S. 23, 17.12.2009) wird thematisiert, wie wenig die Politik von den Empfehlungen ihrer eigenen Berater hält.

Ist irgend etwas falsch an der Disziplin, ist irgend etwas falsch an den Theorien, die vermittelt werden, etwa die Vorstellung, der Konsument sei ein homo oeconomicus, der seine wesentlichen Entscheidungen als ständig pareto-optimierendes Wesen trifft? Wie könnte eine Umorientierung der Wirtschaftswissenschaften aussehen?

Einige Ökonomen wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz von der New Yorker Columbia University weisen der Volkswirtschaftslehre sogar eine Mitschuld an der Krise zu: „Das Fach hat die intellektuelle Basis für die Deregulierungsbewegung geliefert.““

Und bei global operierenden Unternehmen mit Hauptsitz in Steueroasen kommt es zur weitgehenden Vermeidung von Steuerzahlungen als neuem Wertschöpfungssegment. Menschen in die Arbeitslosigkeit zu schicken, die Umwelt in globalen Prozessen zu zerstören, das werden plötzlich wertschöpfende Tätigkeiten. Und wer hier nicht mitmacht, wird aufgekauft von Konkurrenten, die dies erfolgreich betreiben. Und Staaten, die sich nicht anpassen, z. B. bei einer immer weitergehenden Deregulierung der Finanzmärkte, werden durch Abzug von investivem Kapital abgestraft. Das kann letztlich nicht gut gehen. Das führt nicht nur zur Klimakatastrophe, nicht nur zu einer Zunahme der Verhungernden, nicht nur zu Steuerparadiesen und bandenartigen Insiderkartellen, vor allem führte es letztlich in die Weltfinanzkrise.

Fragt man, wieso das ökosoziale Modell mit seiner engen Verbindung zur Nachhaltigkeit in den letzten Jahren, gerade auch in der curricularen Ausgestaltung der Studiengänge der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten und der MBA-Studiengänge, eher eine bescheidene Rolle gespielt hat, dann stößt man auf die fast uneingeschränkte Dominanz des Marktfundamentalismus bzw. der Idee der freien Märkte. Diese weit ausdifferenzierte Ideenwelt hat einerseits fast Religionsersatzcharakter gewonnen, anderseits wurde sie so vermittelt, als handle es sich um Erkenntnisse von naturwissenschaftlicher Unumstößlichkeit.

Wir stehen an einer historischen Wendemarke und das in Zeiten eines „Tipping point“. In den Worten von Warren Buffet, einem der erfolgreichsten Finanzmarktakteure, haben wir gerade eine Fast-Kernschmelze des Finanzsystems überstanden.

Und zum Schluss noch eine Aussage von Klaus Schwab aus der Süddeutschen Zeitung vom 06.01.2010, welcher ebenfalls in dem vorliegenden Dokument zitiert wurde:

Die jetzige Krise müsste eigentlich ein Warnschuss sein, die Entwicklung unserer Wertvorstellungen, unserer ethischen Normen und unserer Regelungsmechanismen für Wirtschaft, Politik und globales Zusammenleben grundsätzlich zu überdenken.

Die Tausende Milliarden Euro, die zum Stopfen der Löcher benötigt wurden, werden unser Wirtschaftswachstum belasten. Die Folgen sind höhere Steuern, Einschränkungen im Sozial- und Gesundheitssystem sowie reduzierte Ausgaben für Infrastruktur wie Erziehung und Verkehr. Letztlich ist es der Steuerzahler, das heißt der Durchschnittsbürger, der für die Kosten der Krisenbewältigung aufkommen muss. Er wird dies wahrscheinlich über die Reduktion seines verfügbaren Einkommens erbringen müssen.

Ich kann nur jedem empfehlen sich die diese beiden Schriften durchzulesen. Für Studenten und Absolventen von wirtschaftlichen Studienrichtungen, sollten diese Dokumente eigentlich Pflichtlektüre sein. Wer nicht anfängt über seine Mitschuld nachzudenken, welche diese Krise auslöste, könnte in ein paar Jahren die Welt nicht mehr verstehen und sich orientierungslos in dieser bewegen.

Quellen und Links:
Club of Rome – Homepage, Club of Rome – Deutsche Homepage, Club of Rome – Wikipedia, Mitglieder des Club of Rome, Weltvertrag, Global Marshall Plan, Club of Rome – Schulkonzept, Dokument: Die Wirtschaftswissenschaften nach der Krise, Dokument: Alle wollen Wachstum!, Franz Josef Radermacher – Wikiepdia, Uwe Möller – Wikipedia,

Links zu Kritikern des Club of Rome: Euro-Med, Propagandaschock, Unsere-Neue-Erde

Veröffentlicht von

Ronny Siegel

Noch habe ich hier nichts über mich geschrieben, weil so vieles schon auf diesem Blog steht. ;) Diese Bücher habe ich gerade gelesen: Die Tribute von Panem (komplett) Das Schloss Das Parfüm Der Schwarm Der Process Die Kanguruh-Chroniken Das Lied von Eis und Feuer Diese Filme habe ich mir angesehen: Diese Serien habe ich gesehen:

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