Wie Sie mit ihrer Miete die Reichen finanzieren

Vor ein paar Jahren hörte man die Worte noch hinter vorgehaltener Hand. In der Zwischenzeit werden diese Worte immer deutlicher. „Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer“ Doch wie funktioniert diese Umverteilung des Vermögens in unserem Land? Und ist man davon auch betroffen, wenn man keine Schulden besitzt? Eins ist sicher, dem Kreislauf kann man sich nicht entziehen, wie das Beispiel der permanenten Vermögensumverteilung an unseren Mieten zeigt.


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Wie funktioniert dies noch mal, wenn man selber Zinsen erhält? Man bringt sein Geld auf die Bank und dafür werden regelmäßig Zinsen gut geschrieben, außer man hebt wieder alles ab. Doch woher kommen diese Zinsen? Öffnet die Bank in diesem Fall die Spendierhosen und spielt den Samariter? Natürlich nicht, denn Zinsen müssen verdient werden. Und dies geschieht am Besten über Schulden. Doch wie sieht es mit Zinsen aus, die man bezahlen muss, obwohl man selber niemals einen Kredit aufnahm?

Hierzu sollte man sich folgendes vor Augen führen. Ein Unternehmen zahlt für einen Kredit de facto keine Zinsen, denn diese werden in die Verbraucherpreise mit eingerechnet. Auch der Staat zahlt keine Zinsen, sondern diese werden aus den Steuereinnahmen beglichen, welche zuvor wieder von den Bürgern dieses Landes gezahlt wurden. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, am Ende der Kette sind Zinsempfänger und Zinszahler immer Einzelpersonen, also Menschen. In meinen Recherchen bin ich hier auf meine Miete gestoßen, in der sich ebenfalls Zinszahlungen befanden und ich erschrak über die Höhe.

In meiner Miete wurde der Zinssatz mit 29 Cent pro Euro Miete angegeben. Dies bedeutet im Umkehrschluss 29 Prozent meiner Kaltmiete fließen direkt zu denjenigen die aufgrund ihres Kapitalvermögens, Zinsen kassieren. Wenn ich also theoretisch 500 Euro Miete monatlich bezahlen müsste, würden davon 145 Euro zur Befriedigung der Zinsforderungen dienen. Die Höhe dieser Forderungen erschien mir sehr extrem und aus diesem Grund schnappte ich mir die Geschäftsberichte von fünf Wohnungsgenossenschaften aus Dresden, um herauszufinden ob mein Vermieter da irgendwie aus dem Rahmen fällt.

Da die Geschäftsberichte, bis auf einen, keine eindeutigen Ergebnisse lieferten, musste ich mich an die Wahrheit herantasten. Hierfür nahm ich die Mieteinnahmen der Wohnungsgenossenschaften in der sich auch die Vorauszahlungen der Nebenkosten befinden. Anschließend zog ich von diesen Einnahmen Nebenkosten in Höhe von 30 Prozent und 40 Prozent ab. Jede Genossenschaft konnte auch Zinseinnahmen verbuchen, die ich anschließend auf das Ergebnis addierte. Dieses Ergebnis wiederum dividierte ich durch die Zinsen und erhielt somit einen Wert, der den Zinsanteil pro Euro Miete präsentierte.

zinsenanteil-in-miete-30-prozent-mini
Bei der schlechtesten Annahme müssten die Mieter der Genossenschaft 73 Prozent ihrer Kaltmiete für Zinszahlungen aufbringen. Im günstigsten Beispiel sind es immerhin noch 28 Prozent. Diese Zahlungen werden direkt zu den Kapitalbesitzern transferiert. Denn bei Krediten ist es üblich, Zinsen werden zuerst bedient. Erst danach kommen Ausgaben für Instandhaltung und Sanierung.

zinsenanteil-in-miete-40-prozent-mini
Darüber war ich nun wirklich erstaunt. Ich stelle mir hierbei immer vor, was man mit diesem Geld alles anfangen könnte, wenn es zum Beispiel in den Genossenschaften verbleiben würde. Zwei Beispiele hierzu. Zum einen könnte man natürlich die Mieten direkt um diesen Anteil senken und somit den Mietern mehr liquide Mittel verschaffen, die diese wiederum regional ausgeben könnten. Die in der Region befindlichen Unternehmen würden sich sicherlich darüber freuen. Zum Anderen könnte die Genossenschaft aber auch ihr Personal aufstocken oder den Mietern andere Verbesserungen bescheren, was wiederum für die Unternehmen der Region von Vorteil wäre.

Dass es sich hierbei nicht um Peanuts handelt, zeigt das Beispiel an der 500 Euro Miete. Je nachdem wie hoch der Zinsanteil ist, würden theoretisch zwischen 1.680 Euro und 4.380 Euro aus der Region transferiert werden.  Außer natürlich, die Empfänger der Zinszahlungen sitzen bei mir um die Ecke und geben das Geld auch gleich wieder aus, was jedoch sehr unwahrscheinlich ist.

 

Quellen: elektronischer Bundesanzeiger mit aktuellen Geschäftsberichten der Genossenschaften (Aufruf der Geschäftsberichte über die Suchfunktion unter Eingabe der Stadt und Wohnungsgenossenschaft)

2 Gedanken zu „Wie Sie mit ihrer Miete die Reichen finanzieren“

  1. Eine seltsame Berechnung, die sich mir nicht erschließt.
    Fakt ist:
    1. Ein Haus zu bauen kostet Geld und zwar viel Geld.
    2. Dieses Geld muss erst einmal über Kredite finanziert werden. Alternativ nimmt man Eigenkapital. Dieses möchte man aber auch verzinst haben. Bekäme man bei der Bank mehr Zinsen als durch Mietzahlungen, würde jeder Investor das Geld zur Bank bringen und kein Haus bauen.
    3. Ein Gebäude muss ständig gepflegt werden, d. h. es muss regelmäßig Geld investiert werden, um die Substanz zu erhalten.

    Eine realistische Rendite für Vermietungsobjekte liegt zwischen 6 und 10 % pro Jahr. Man muss jedoch bedenken, dass das Risiko bei vermieteten Objekten deutlich höher ist als z. B. bei Bundesschatzbriefen oder Festgeld bei der Bank. Wenn ein Mieter nicht zahlt, gibts nicht nur kein Geld mehr. Vielmehr entstehen auch noch Kosten für Rechtsanwalt und Gerichte. hat man Mietnomade in der Wohnung, muss die Wohnung nach Zwangsräumung auch noch für viel Geld saniert werden. Dadurch wurden schon so einige Existenzen zerstört.

    Noch etwas zur Mathematik: 0,29 Cent von einem Euro sind nicht 29 %, sondern nur 0,29 %. ;)

  2. Der Wert wurde korrigiert.

    zu 1. Richtig, ein Hausbau kostet (ob Geld steht auf einem anderen Papier)
    zu 2. Nicht ganz Richtig. Sie können auch 12 Prozent Rendite für Staatsanleihen erhalten (wenn Sie zum Beispiel heute in Irland investieren). Allerdings verfügt der Großteil der Deutschen nicht über ein solches Vermögen, um eine solche Rendite zu erhalten.
    zu 3. Richtig, nur dann sollte auch der Werterhalt im Vordergrund stehen und nicht die Zinsforderung. Wenn ein Haus marode ist und trotzdem weiter Zinsen abwerfen muss, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Haus eine Ruine ist. (mir fällt hierzu auch gerade der Vergleich mit diversen europäischen Staaten ein – ich weiß auch nicht warum ;)

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