Das islamische Bankwesen – Islamic Banking

Vor längerer Zeit strahlte Arte ein paar Dokus zum islamischen Bankwesen aus. In diesen berichtete der Sender, was die grundlegenden Unterschiede des islamischen zum konventionellen Bankwesen sind. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass das islamische Banksystem nur sehr wenig Geschäfte im Bereich der Anlageprodukte tätigt, wenn man dies mit den weltweit getätigten Geschäften vergleicht. Zusätzlich gingen die Reportagen auch darauf ein, wie im islamischen Bankwesen die Grenzen von scharia-konformen Produkten zu scharia-orientierten Produkten verschwimmen. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und ein paar Randbemerkunugen von mir zu hiesigen Modellen.

[adcode]

Die Eckpfeiler des islamischen Bankwesen

  1. Nimm keine Zinsen. Verdiene kein Geld mit Geld.
  2. Investiere in keine Produkte, die nicht der Scharia entsprechen (Alkohol, Glücksspiel, Schweinefleisch, Pornografie)
  3. Gestalte alle Kosten transparent
  4. Verdiene kein Geld mit Spekulationen
  5. Teile Risiken und Profite zwischen Geldgeber und Kreditnehmer
  6. Gib 2,5 Prozent deines Einkommens für wohltätige Zwecke, als zinsloses Darlehen, aus.

Wie in den Dokus berichtet wird, werden diese Regeln mehr oder weniger eingehalten. Zinsen gibt es zwar in keinen der Scharia konformen oder orientierten Produkte. Dafür enthalte viele Produkte eine feste Gebühr oder Ausschüttung, welches letztendlich ungefähr dem eines Zinssatzes entspricht.

Auch der Punkt 2, die Investition in Scharia konforme Produkte, ist nicht immer eindeutig. In einer der Dokus wurde als Beispiel der Kauf zweier Flugzeuge genannt. Diese sollen Passagiere von Europa nach Asien befördern. Bereits vor dem Kauf kann man somit davon ausgehen, dass an Bord dieser Flugzeuge auch Alkohol und Schweinefleisch angeboten und verkauft werden. Ein geringer Teil der Erlöse sind somit nicht Scharia-Konform.

Kritiker, die in den Dokus zu Wort kommen, meinen deswegen, dass man nicht von einem islamischen Bankwesen nach den Regeln des Koran sprechen kann. Dies schließe sich von vornherein aus.

Das islamische Banksystem und europäische Entwicklungen

Ich sehe dies ähnlich. Nach religiösen Regeln ein Bankwesen zu erschaffen, müsste dazu führen, dass sich dieses Bankwesen selber im Weg stehen dürfte oder in gewissen Punkten nicht nach den Regeln der Religion handelt. Ich bin jedoch der Meinung, man kann von den ethischen und moralischen Regeln dieses Bankwesen viel lernen.

Zinsen sind auch mir suspekt, auch wenn man sich in unserem System nicht komplett davon verabschieden kann. Trotzdem gibt es auch hierzulande genügend Bestrebungen ein Banksystem zu entwickeln, welches nach ethischen Werten handelt. Ein Beispiel dafür sind viele Genossenschaftsbanken, bei denen Transparenz und der Verzicht auf Spekulationen fest verankert sind.

Es gibt sogar schon Banken, bei denen der Kunde auf Zinsen verzichten und diese einem anderen Zweck zuführen kann. Ich denke aber, dies ist erst der Beginn einer Entwicklung, die vor allem durch die Menschen, in diesem Fall die Kunden, vorangetrieben wird.
Dies wird auch in einer der Dokus zum Ausdruck gebracht. Ein Anhänger des islamischen Bankwesen erklärte, auch in den islamischen Ländern handeln die Menschen nach den selben Kriterien wie hierzulande. Dies können Profite sein, moralisches Verhalten oder einfach Transparenz. Jeder legt hier seine eigene Messlatte fest.

Bildquelle Startbild: Danumurthi Mahendra (flickr.com)

[adcode]

6 Gedanken zu “Das islamische Bankwesen – Islamic Banking

  1. Hm. Die Eckpfeiler finde ich sehr interessant, davon könnte sicher auch Europa Einiges Lernen.
    Was ich nicht verstehe – wo ist der Unterschied für den Endverbraucher zwischen “Zinsen” und “Gebühr” ? Ist doch egal, wie es heißt, unterm Strich bezahle ich in beiden Fällen mehr zurück, als ich geliehen habe. Oder ?

    • Hallo Sandra, unter dem Strich stimmt dies vollkommen.

      Ich bin jedoch der Meinung, eine feste Gebühr ist für viele Verbraucher um einiges transparenter als ein prozentualer Zins. Die wenigsten rechnen sich die Kosten für das geliehene Geld wirklich aus. Dazu kommen solche Begriffe wie “nominal”, “effektiv” und “per anno”. Da wissen dann selbst diejenigen, welche die Berechnungen durchführen, nicht mehr, was sie hier eigentlich berechnen sollen.

      In beiden Fällen zahlt man aber mehr zurück, als man geliehen hat. Schließlich müssen die Menschen auch bezahlt werden, welche das Geld beschaffen (wie zum Beispiel die Mitarbeiter einer Bank). Welche Frage ich jedoch nicht beantworten kann ist, erhalten die Geldinhaber, welche das Geld verleihen, im islamischen Banksystem auch eine Gebühr. Wäre dies der Fall, würde sie gegen die Scharia verstoßen und unter dem Strich auch Geld mit Geld verdienen.

  2. Hallo zusammen,
    ich bin seit einiger Zeit in einem islamkonformen Finanzinstitut in Deutschland tätig. Deswegen kann ich euch vielleicht etwas mitgeben. Beim Islamic Finance geht es mehr um das Prinzip: z.B. bei der Musharaka, also dem Immobilienkauf nach islamkonformer Methode, werden keine Zinsen eingenommen, jedoch hat die Bank Mieteinnahmen. Rein rechnerisch kann es hier sogar sein, dass die Islambank unterm Strich sogar teurer wird als konventionelle Banken. Die Islambank beteiligt sich jedoch im Gegensatz zu den konventionellen Banken am Risiko. D.h. sie trägt im Falle einer Zwangsversteigerung die anteiligen Kosten, während der Bankkunde anteilig am Verkaufserlös beteiligt ist. Der Bankkunde geht nicht leer aus, eine Zwangsversteigerung (eigentlich eine vorzeitige Veräußerung durch die Bank) ist kein totaler Verlust für den Bankkunden (menschliche Orientierung). Bei konventionellen Banken heißt es: “die Bank gewinnt immer”. Zudem beteiligt sich die Islamic Bank an einem realen Wirtschaftsobjekt, was gegensätzlich zum magischen Zauberwort der konventionellen Banken ist: “Aus eins werde zwei!”
    Ich hoffe, dass ich weiterhelfen konnte.

    • Hallo Sevket,

      vielen Dank für deine Ergänzungen.
      Ist dies beim Islamic Finance generell so, dass sich die Bank am Risiko beteiligt?

  3. Ja, denn wenn die Bank sich nicht am Risiko beteiligt (und zwar in Höhe des von ihr eingebrachten Kapitals) ist die Finanzierung nicht islamkonform. Für das Islamic Finance ist die gegenseitige Gewinn- und Verlustbeteiligung ein Ausschlusskriterium. Also ist eine Bank keine sog. Islamic Bank, wenn Sie sich nicht auch am Verlust beteiligt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *