Geil auf Konsum oder The Story of Stuff

“Wie soll es in Zukunft weiter gehen?“, fragen sich derzeit viele Menschen auf unseren Planeten, wenn sie sich die globalen Probleme ansehen. Da wäre zu einem das Finanzproblem, welches überall zu spüren ist. Und zum Zweiten das Umweltproblem, welches ebenfalls in aller Munde ist und zum Dritten unser Wachstumsproblem, welches nicht so richtig in die Gänge kommen möchte. Doch vielleicht gibt es ja auch einen Zusammenhang zwischen diesen Problemen? Annie Leonard ging und geht diesen Problemen auf den Grund und präsentiert ihre Ergebnisse in ansehnlichen Kurzfilmen.

Bevor man viele Worte zu diesem Thema verliert, sollte man sich zuvor folgenden Film ansehen. „The Story of Stuff“ handelt von unserem derzeitigen Wirtschaftskreislauf, der sich laut Annie Leonard als eine Sackgasse entpuppt. Der Film bezieht sich vor allem auf die USA, welches derzeit die extremsten Auswüchse dieses Wirtschaftsmodels aufweist. Europa holt jedoch mit großen Schritten auf.


Nachdem man sich den Film angesehen hat, fragt man sich „Wie konnte dies alles passieren?“ Auf diese Frage gibt es die verschiedensten Theorien. Forscht man in der Geschichte, so findet man dafür Beweise, dass vor einhundert Jahren kaum ein Mensch in Deutschland etwas mit dem Begriff „Konsum“ anzufangen konnte. Die Anfänge, was wir unter Konsum verstehen, gab es erst in den goldenen Zwanzigern. Damals brachten die Unternehmen die ersten nützlichen Haushaltsgeräte auf den Markt, welche die Hausfrauen von ihren Arbeiten entlasteten. Die dadurch entstandene Freizeit wurde gefüllt mit Konsum. Zu dieser Zeit entstand auch erst der sogenannte „Schuhtick“ der typisch ist für viele Frauen.

Doch diese Ära dauerte nicht lange an, denn durch die Weltwirtschaftskrise und den zweiten Weltkrieg war an Konsum in unserer heutigen Form nicht zu denken. In diesen Jahren ging es bei den meisten Menschen nur um das nackte Überleben. Die Jahre nach dem Krieg waren gezeichnet vom Wiederaufbau, welches sich auch in den geringen Arbeitslosenzahlen der Fünfziger und Sechziger wieder spiegelte. In diesen Jahren wurde die Basis für unseren heutigen Wohlstand geschaffen, der jedoch Anfang der Siebziger in Westdeutschland abgeschlossen war. Bis zu diesem Zeitpunkt war den Menschen hierzulande nicht bekannt, wie man konsumieren sollte. Bis Anfang der Siebziger war man nämlich damit beschäftigt, eine ordentliche Lebensgrundlage für sich selber zu schaffen.

Anfang der Siebziger brach die Wirtschaft in Westdeutschland erstmalig ein und die Wachstumsraten der vergangenen Jahre konnten nicht mehr erzielt werden. Der Grund dafür war eigentlich klar. Es gab keinen offensichtlichen Grund mehr zu wachsen. Der Großteil der westdeutschen Familien besaß eine ordentliche Wohnung, ein Auto, konnte sich einen  netten Urlaub leisten und für die Unterhaltung am Abend sorgte ein Fernseher, während im Keller die Waschmaschine lief. Damit wir jedoch weiter wachsen konnten, musste eine neue Idee her und die hieß konsumieren. „Wenn die Deutschen ab sofort immer wieder kaufen würden, würde die Wirtschaft weiter produzieren können“, so der Gedanke um Wachstum zu erzeugen. Der Bergriff der „Wegwerfgesellschaft“ wurde entdeckt.

Was danach folgte kannten die Amerikaner bereits seit den Fünfzigern. In Deutschland setzte dieser Trend eben nur Zwanzig Jahre später ein. Konsum war das oberste Gebot. Interessant fand ich, wie sich die Zufriedenheitskurve der Amerikaner seitdem entwickelte, eine Entwicklung die man hierzulande gut beobachten kann. Mir fällt dazu immer ein Zitat von einem Freund ein „Besitzt verpflichtet.“ Daraus folgt, desto mehr ich besitze, desto mehr Verpflichtungen gehe ich ein und desto mehr muss ich mich einschränken, um meinen Verpflichtungen nachzukommen. Man könnte daraus schlussfolgern, dass man sich durch Besitz freiwillig in Abhängigkeiten begibt.

Und durch Konsum? Es ist doch so, wenn man viel konsumiert, häuft man automatisch auch Besitztümer an. Man könnte jetzt dagegen argumentieren, was ist aber wenn man nur solche Dinge konsumiert, die nicht zu Besitz zählen, wie zum Beispiel Essen. Bei diesen Dingen setzt uns zum Glück unserer eigener Körper Grenzen. Konsumieren wir davon zuviel, bekommen wir das schnell zu spüren. Meistens endet eine solche Form von Konsum im weiteren Konsum und man findet sich in einem Bekleidungsgeschäft wieder. Konsumgüter die wir verbrauchen müssen, besitzen immer eine natürlich Grenze. Die Dinge die wir jedoch anhäufen können, sind nur durch unseren Geldbeutel begrenzt. Ob wir sie letztendlich nutzen oder diese Dinge im Keller oder der Garage landen, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Über Annie Leonard:Annie Leonard bereiste für ihre Recherchen in den letzten zwanzig Jahren über 40 Länder. Sie besuchte hunderte von Fabriken und Mülldeponien, um sich einen genauen Eindruck von dem zu verschaffen, was wir heute konsumieren. Die Ergebnisse präsentiert sie auf ihrer Webseite storyofstuff.com. In diesem Jahr veröffentlichte sie drei weitere Kurzfilme und brachte das Buch „The Story of Stuff“ heraus, welches bereits in Deutschland erhältlich ist.

Links und Quellen: The Story of Stuff – deutsche Webseite, englische Webseite mit weiteren Kurzfilmen, Wikipedia Annie Leonard, Entstehung des Schuhticks in Deutschland in der arte Doku “Cabaret Berlin”

2 Gedanken zu “Geil auf Konsum oder The Story of Stuff

  1. Interessant. Aber was bedeutet das für meinen Alltag, wie setze ich die Erkenntnisse um ? Ich kaufe mir nichts Neues, bloß weil das Design geändert wurde, wenn das alte noch funktioniert. Wenn ich geberell kein Geld mehr ausgebe – was soll ich dann damit machen ? Was passiert wenn niemand mehr über Grundbedarf einkauft – Produktion wird eingeschränkt, mehr Arbeitslose… Wo finde ich die Ansätze, die den daraus resultierenden Problemen entgegenstehen? Was passiert mit der Gesellschaft als Ganzes ? Macht es überhaupt wirklich Sinn als Einzelner “grün und ökologisch korrekt” zu leben ? Kann ein Einzelner wirklich etwas bewirken. Und wo bleiben Spaß und Freude ?

  2. Noch ein Beispiel aus eigener Erfahrung. Bei unserem letzten Filmabend mit Freunden, trafen sich ein paar Erwachsene mit ihren Kindern. Nachdem der Film zu Ende war, meinte eine der Erwachsenen, „Der Film war so schön, den muss ich unbedingt haben.“ Ich möchte jetzt mal bezweifeln, derselbe Film wäre genauso schön, wenn man ihn alleine ansehen würde. Denn das Erlebnis mit Freunden war das eigentliche Highlight des Abends. Die Atmosphäre, welche die Anwesenden in den Raum verbreiteten, war für den gelungen Abend verantwortlich gewesen. Der Film spielte dabei nur eine Nebenrolle.

    Ich glaube nicht, wenn man weniger Konsumgüter kauft, dass man dadurch auch weniger konsumiert. Jedoch wird eins eintreten. Die Interessen werden sich verlagern. Annie Leonard brachte dies in dem Video auf den Punkt. Nicht umsonst sank die Zufriedenheitskurve der Amerikaner seit den 50zigern. Wir sind nun mal Menschen und in unserer Natur liegt es, mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren. Dies ist doch letztendlich genau Das, was uns glücklich macht. Der Rest ist nur sinnloser Stuff.

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