Die Packstation der DHL und deren Vorgänger die Paketzustellanlage der Deutschen Post

Vor ein paar Jahren wurde ich das erste Mal mit einer Packetstation der DHL konfrontiert. Damals stellte man mir ein Paket in einer dieser Anlagen zu, weil es anderweitig nicht zugestellt werden konnte. Das erste Modell, welches ich aus diesem Grund zu Gesicht bekam, war das Rotationssystem der Packetstation, welches an eine etwas zu klein und dick geratene Litfaßsäule erinnert. An dieser Packetstation gesellten sich verschwommene Bilder aus meiner Kindheit. Und irgendetwas sagte mir, diese Form der Paketzustellung ist doch nichts Neues.

Ein bis zwei Jahre später fiel mir dann eine neue Form der Packetstation auf, das Modell Fachsystem. Einen direkteren Vergleich konnte man mir nicht liefern. Die Station ähnelte in erschreckendem Maße, der Station, die ich in meinen Kindesjahren bereits zu Gesicht bekam. Also begann ich damit nach Informationen zu suchen, die meine alten Erinnerungen an den Vorläufer der Packetstation der DHL auffrischen sollten. Dabei stieß ich auf die Paketzustellanlage der Deutschen Post aus der DDR.

Ich weiß nicht mehr genau, wie sie aussahen. Auf jeden Fall muss der Farbton sich irgendwo zwischen grau und blau befunden haben. Auch der Name war mir zu dem Zeitpunkt entfallen. Und auf Rückfragen bei Freunden, Bekannten und Verwandten konnte man mir hier auch nicht weiterhelfen. Doch trotzdem ergab sich allmählich über die unzähligen Informationen ein Gesamtbild und letztendlich erhielt ich vom Museum für Kommunikation in Berlin umfangreiches Material für meine Recherche.

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Packstation der DHL – Modell: Rotationssystem

Sogenannte Zustellanlagen gab es in der DDR gleich mehrere. Eine davon war die Paketzustellanlage. Diese funktionierte wie folgt. Sobald ein Paket nicht direkt zugestellt werden konnte, hinterlegte der Paketzusteller in den Briefkasten des Empfängers einen Schlüssel in einem Briefumschlag. Dieser soll braun oder grau gewesen sein. Auf dem Briefumschlag waren der Standort und das Schließfach vermerkt, in dem sich das Paket befand. Wenn man das Fach der Paketzustellanlage mit dem Schlüssel öffnete, blieb dieser im Schloss stecken und konnte nicht mehr entfernt werden. Dadurch wurde der Schlüssel quasi zurückgegeben und die Deutsche Post wusste welche Pakete abgeholt wurden.  (siehe auch: Unsere Heimat DDR)

Die Paketzustellanlagen gab es in verschiedenen Anordnungen. Die Fächer verfügten immer über eine Einheitsgröße und bestanden aus EKOTAL-Plastisol-Blech, ein Verbund, der vor allem korrosionsbeständig sein sollte. Die Fächer kombinierte man zu 6er, 9er, 12er, 15er und 18er Paketzustellanlagen. Manchmal existierten auch gleich mehrere Anlagen nebeneinander, wobei es sich dann meistens um 18er Paketzustellanlagen handelte. Eine Bedienungsanleitung für die Paketzustellanlage befand sich an den Fächern, der obersten Reihe.

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Paketzustellanlage in der DDR im Neubaugebiet Prohlis.

Viele Gesprächspartner versicherten mir, diese Form der Paketzustellung war zu DDR Zeiten eine wirkliche Verbesserung. Da der Großteil der Bürger der DDR tagsüber arbeiten waren oder sich von der Nachtschicht ausruhten, konnten Pakte nur über diesen Weg zugestellt werden. Die heute gängige Form, der Abgabe von Paketen bei Nachbarn, war zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung einfach nicht möglich.

Transparent Handbuch zur Paketzustellanlage

Die folgenden Bilder sind ein Auszug aus dem “Transpress-Handbuch Posttechnik”, Berlin 1982 – Mit freundlicher Genehmigung: Museum für Kommunikation Berlin, Abteilung Sammlungen

Dass die DHL diese Idee erneut aufgriff oder vielleicht auch wieder entdeckte, kann ich nur begrüßen. Mir gefallen die Packetstation, wobei mein persönlicher Favorit das Fachsystem ist. Bis auf einmal gab es auch keine Schwierigkeiten mit der Abholung von Paketen. Und dieses eine Mal schiebe ich auf die plötzlich eintretende Kälte, welche die Anlage höchstwahrscheinlich außer Betrieb setzte. Kritisieren muss ich allerdings die kostenpflichtige Nummer, die in Notfällen zur Verfügung steht. Denn ich gehe davon aus, wenn ich meine Pakete in eine Packetstation zustellen lasse, entlaste ich die DHL um einiges. Wenn man mir dann bei Problemen auch noch Geld aufgrund kostenpflichtiger Anrufe aus der Tasche ziehen möchte, stehe ich diesem Service äußerst kritisch gegenüber. (siehe auch: Deutsche Post vermarktet private Adressdaten)

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Packstation der DHL – Modell: Fachsystem

Für diejenigen die nicht wissen, wie die Packetstation funktioniert, jetzt noch einmal eine kurze Übersicht. Um sich zukünftig Pakete über Packetstationen zustellen zu lassen, muss man sich zuerst bei der DHL registrieren. Anschließend erhält man eine Kundenkarte mit Kundennummer und Passwort. Jetzt kann man sich sämtliche zukünftige Lieferungen der DHL an jede beliebige Packetstation senden lassen. Wer sich zum Beispiel für einen längeren Zeitraum in einer anderen Stadt befindet, muss auf die Zustellungen von wichtigen Sendungen nicht verzichten. Einfach eine Packetstation in der Nähe heraussuchen und das Paket dorthin senden lassen. Sobald ein Paket zugestellt wurde, erhält man darüber eine Mail oder SMS.

Bei der Abholung der Pakete, loggt man sich mit seiner Kundennummer bei der Packetstation ein. Hat man seine Karte nicht bei der Hand, kann man die Kundennummer auch über ein Display manuell eingeben. Danach wählt man nur noch die abzuholende Sendung aus und entnimmt diese dem Fach. Das war’s. Zum Schluss ist vielleicht noch zu erwähnen, an den Packetstation kann man seine Pakte an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr abholen.

6 Gedanken zu “Die Packstation der DHL und deren Vorgänger die Paketzustellanlage der Deutschen Post

    • Das Foto stammt aus der privaten Sammlung. Irgendwie konnte ich mich noch dunkel daran erinnern, auf einem Foto eine Paketstation gesichtet zu haben.

      In der Zwischenzeit bekam ich aber auch die Genehmigung vom Museum für Kommunikation in Berlin, die Anleitung für die Paketzustellanlage der DDR veröffentlichen zu dürfen. Dort sieht man auch noch einmal sehr gut, wie die Paketzustellanlagen aussahen

  1. Ein grenzdebiler Mitarbeiter von DHL hat nach einem Tag das Paket wieder aus der Packstation entnommen und somit für mich unerreichbar. Ab da nahm alles seinen nicht mehr zu unterbrechenden Lauf. Trotz mehrmaliger Anrufe bei DHL war nichts zu machen und man tat so, als sei dieses Unternehmen völlig an der Panne unbeteiligt. Auch Lösungsvorschläge wie ich nun mein Paket bekomme gab es nicht Ich lasse meine Firma nicht mehr über DHL beliefern, Habe meine Lieferanten informiert.

    Sendungsverlauf:

    Di, 26.11.2013 16:36 Uhr — Die Sendung wurde vom Absender in der Filiale eingeliefert.
    Mi, 27.11.2013 18:33 Uhr Neumünster Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.
    Fr, 29.11.2013 01:36 Uhr Speyer Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
    Fr, 29.11.2013 10:29 Uhr — Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.
    Fr, 29.11.2013 15:44 Uhr — Die Sendung konnte nicht zugestellt werden und wird in eine PACKSTATION weitergeleitet. Der Empfänger wurde benachrichtigt.
    Sa, 30.11.2013 11:41 Uhr — Die Sendung wurde zum Weitertransport aus der PACKSTATION entnommen.
    Mo, 02.12.2013 20:49 Uhr Speyer Die Sendung wurde im Paketzentrum manuell nachbearbeitet.
    Mo, 02.12.2013 21:27 Uhr Speyer Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.
    Di, 03.12.2013 22:59 Uhr Neumünster Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
    Mi, 04.12.2013 09:17 Uhr — Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen

    Als i-Tüpfelchen zu diesem Unternehmen fehlt nur noch die Postkutsche

    • Ja wirklich, so ein Saftladen aber auch. Stellen ca. 9 Millionen Pakete täglich erfolgreich zu und dann haben die da einen Mitarbeiter, der ausnahmsweise mal einen Fehler gemacht hat.
      Mir wurde auch mal angeblich ein Paket erfolgreich zugestellt, nämlich laut Paketverfolgung ganze 400km von der angegebenen Zieladresse entfernt bei einer Firma, die Massensendungen erhalten. Nach zwei Wochen ist aber das Paket dann endlich richtig angekommen. Auch bei der Post arbeiten noch Menschen.

  2. Hallo Ronny,

    schöner Bericht und tolle Bilder. Im Chemnitzer Stadtgebiet stehen die DDR-Anlagen noch zum großen Teil, leider in anderer Farbgebung (rückseitig manchmal noch im Originalfarbton). Die Anlagen wurden nach meinen Recherchen für 5 DM/Stück von der Deutschen Post der DDR an die Freie Presse (Tageszeitung) verkauft. Die Zustellorganisation (VDL “Express”) nutzt sie als Ablagekästen für Ihre Tageszeitung und die Anzeigenblätter.

    Vielleicht gibt es in der ehem. DDR auch noch andere Regionen, wo die Anlagen zur Nachnutzung weiterverkauft wurden.

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